Paper Potter / Paper Potmaker: Anzuchttöpfchen aus Papier

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Verfasst von | Kategorie: Prudukte, Geschenkideen, Werkzeuge | Veröffentlicht am 8. Februar 2012

Paper Potmaker / Paper Potter

Anzuchttöpfchen aus dem Gartencenter sind nicht gerade billig, besonders wenn man auf Torfprodukte (Torftöpfchen bzw. Torfquelltöpfchen) verzichten möchte. Anzuchttöpfchen aus Kokosfasern sind teuer und alte Joghurtbecher bestehen aus unverrottbarem Plastik.

Wir wollen hier eine weitere Alternative vorstellen, die wir für uns schon vor längerer Zeit entdeckt haben: Anzuchttöpfchen lassen sich auch ausgezeichnet aus Zeitungspapier herstellen. Das gelingt einigermaßen zufriedenstellend, indem man Papierstreifen um kleine Schnapsgläser (Stamperl) wickelt und das überstehende Papier unten zusammenpresst. Einfacher geht es jedoch mit einem sogenannten Paper Potter bzw. Eco Potmaker.

ABER: Ist Zeitungspapier wirklich eine Alternative, oder sollte man davon im Garten lieber komplett die Finger lassen? Für diesen Artikel habe ich länger recherchiert und auch Fachleute befragt. Lest hier, was meine Recherchen ergaben.

Anzuchttöpfchen aus Papier mit dem Potmaker

Von unserer letzten England-Reise haben wir uns einen Burgon & Ball Eco Potmaker aus Buchenholz mitgebracht. Dieser bietet entgegen dem einfachen Paper Potter den Vorteil, dass sich damit gleich drei unterschiedliche Anzuchttopf-Größen (3 cm, 4,5 cm und 6 cm Durchmesser) herstellen lassen. Der Vorteil an Anzuchttöpfchen aus Zeitungspapier ist, dass man zum Einen praktisch keine Ausgaben für Anzuchttöpfchen mehr hat und zum Anderen betreibt man damit, so scheint es, auch aktives Recycling. Jeder Potmaker (bzw. Paperpotter) besteht dabei aus mindestens zwei Teilen: Einem Stempel und einer Gegenplatte.

Paper Potmaker

Die Herstellung der Töpfchen ganz ohne die Verwendung von Klebeband oder Metallklammern ist schnell und einfach: Das Papier in Streifen schneiden (Von der Größe des Potmakers hängt auch die Breite der Streifen ab). Die Papierstreifen wickelt man jeweils um den Holzstempel des Potmakers und lässt unten etwas Papier überstehen. Den Überstand faltet man an der Unterseite des Stempels nach innen. Nun drückt man den Stempel in das Gegenstück und übt ausreichend Druck aus.

Paper Potmaker

Jetzt kann man den Papiertopf abziehen, mit Anzuchterde befüllen und Saatgut ausbringen. Die Töpfchen widerstehen auch mehrmaligem Gießen. Zuguterletzt setzt man die Pflänzchen dann einfach mitsamt dem Töpfchen aus. Wer will, kann das Papiertöpfchen zuvor aber auch abstreifen. So hat man schnell eine Unmenge an Papier-Töpfen hergestellt, was die Vorzucht erheblich günstiger und einfacher macht.

Paper Potmaker - Papiertöpfchen

Giftige Zeitungen?

Zeitungen kommen bei einigen Gärtnern als Mulchmaterial in den Garten oder werden dem Kompost beigemengt. Auch Regenwürmer sollen Zeitungspapier lieben.

Da ich mich mit Druck und Druckerzeugnissen beschäftige, stellte ich mir natürlich sofort die Frage, ob Zeitungen Giftstoffe enthalten, die beim Verrotten im Garten abgegeben werden. Enthaltene Schadstoffe könnten schließlich beim Verrotten in Boden und Grundwasser übergehen und schließlich von den Pflanzen aufgenommen werden.

Ich habe recherchiert und auch Mails an zahlreiche Zeitungen in Österreich gesandt. Bislang habe ich lediglich von einer Tageszeitung Antwort erhalten. Daneben befragte ich auch Fachleute aus dem Druckgewerbe. Die Ergebnisse sind leider nicht besonders ergiebig.

In einem Dokument zum Thema Zeitungsdruck der Huber-Group von 2002 fand ich diesen Absatz: „Die Zeitung kann ohne Bedenken kompostiert werden. Zeitungspapier wird dem Kompostmaterial auch bei der Kompostierung von organischen Abfällen zur Verbesserung des C:N-Verhältnisses zugesetzt“.

Thomas Letz, Vertriebs- und Herstellungsleiter von der Tageszeitung Der Standard auf meine Fragen: „Gelesene Zeitungen sollen nicht am Komposthaufen oder im Garten verrotten, sondern den Sammelstellen zugeführt werden. In Österreich ist Altpapier ein sehr wertvoller Rohstoff für die Papiergewinnung“. Zusätzlich bekamen wir mit dem Antwortmail auch einen Auszug aus dem Sicherheitsdatenblatt eines Farbherstellers: »Die Zubereitung (=Druckfarbe) ist gemäß Richtlinie 1999/45/EG und ihren Änderungen nicht als gefährlich eingestuft« sowie eine Aufstellung über die Inhaltsstoffe von Zeitungsdruckfarben und Informationen der Druckfarbenhersteller.

Prof. DI Wolfgang Schachner, Leiter der Versuchsanstalt HGBLVA Wien XIV zu meinen Fragen: „Generell kann man ohne eine nähere Studie leider keine allgemeine Aussage treffen, ob sich Zeitungen ohne Probleme kompostieren lassen. Dies wäre aber sicherlich ein Thema, welches im Rahmen einer Diplomarbeit erforscht werden könnte“.

Zeitungskompost im Garten

Auch wenn Zeitungskompost nicht das eigentliche Thema dieses Artikels ist, so sollte man sich darüber natürlich Gedanken machen. Meine Erkenntnis zu diesem Thema ist, dass hier noch Forschungsarbeit von Nöten wäre um tatsächlich feststellen zu können, ob Zeitungskompost nun unbedenklich ist, oder ob Zeitungen besser doch korrekt über die Altpapiersammlung entsorgt werden sollten. Zu viele unbekannte Komponenten gibt es zu bedenken, wie zB. Bleichmittel, Farben, Zusammensetzung des Papiers, Lackierungen und Druckveredelung, usw.

Das Thema ist für mich noch nicht erledigt und ich ermutige auch unsere Leser, ihre Meinung in den Kommentaren kund zu tun. Vielleicht findet sich ja auch jemand, der dies zum Thema seiner Studien oder der Diplomarbeit macht? Derzeit kann ich noch nicht sagen, ob wir nun Anzuchttöpfchen aus Papier herstellen werden. Wir halten Euch auf dem Laufenden, sollten die Recherchen etwas Neues ergeben.

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Kommentare (15)

Hallo Buddler,

schöne Idee mit den Anzuchttöpfchen aus Papier.

Zum Thema der Giftstoffe in Zeitungen: Meine Cousine (=Chemikerin) meinte, dass evtl. Rückstände von Schwermetallen in der Druckerschwärze vorkommen können. Zumindest war das wohl früher so, ob das noch heute ist konnte sie aber nicht sagen.

Grüße
Dominik

lieber buddler!

vielleicht hilft dieser link zum thema druckerschwärze etwas weiter. ich recherchiere gerade über wurmfarmen und hoffe, in diesem frühjahr auch zu einer solchen zu kommen!

hier der link: http://www.wurmwelten.de/cms/wurmfarmen/48-wurmkisten/98-wurmfarm.html

lg!

Hi Nicole,

danke für den Link. Leider ist es nicht ganz richtig, dass Druckerschwärze zu einem großen Teil aus Ruß besteht. Besonders bunte Druckfarben sind noch sehr bedenklich. Zusätzlich muss bedacht werden, dass Papiere mit diversen Chemikalien behandelt werden. Es freut mich aber, dass sich noch andere Menschen Gedanken zu dem Thema machen.

LG, der Buddler

lieber buddler!

bunt bedrucktes papier und hochglanzpapier schließe ich – für mich – bei der kompostierung aus. bleibt noch das schwarz bedruckte, das aber auch mit chemikalien behandelt wurde.

ich finde sowohl bei der anzuchttopf- als auch bei der kompostierungsgeschichte den recycling-gedanken mit den zeitungen schön und wichtig. bleibt für mich die frage, in welchem ausmaß die rückstände der chemischen behandlung des papiers die jeweiligen ökosysteme (gartenboden, wurmfarm…) belasten bzw. welche mengen davon toleriert werden können?

lg,
nicole

Hallo Buddler!

Dein Beitrag ist wie für mich gemacht! Genau das habe ich mich nämlich auch schon gefragt: Ist Zeitungspapier wirklich gut abbaubar? Ich meine in GB schnaufeln die sich schließlich ihr Fish & Chips aus Zeitungen rein. So gefährlich kann es ja nicht sein – oder?
Wobei ich auch denke, dass gerade die zunehmenden Farbdrucke bedenklich sind, wie es auch Nicole schreibt.
Ich hoffe, dass da andere mehr wissen als ich! Papiertöpfe scheinen mir eine tolle und günstige Alternative zu sein, die nun nur noch umweltfreundlich sein müssen.

Beste Grüße

Lukas

Mag sein, dass Rückstände in der Druckerschwärze sind. Die Frage ist aber doch, wie aufwändig Plastiktöpfe produziert werden. Für den Hausgebrauch halte ich die Zeitungstöpfies für eine großartige Idee. Selbst gemacht, kein Restmüll, schnell verrottet. Sehr gut!

Hallo Gartengnome!

Ich habe mich schon lange gefragt wieso so viele Gärtner so unvorsichtig sind und alles in den Garten oder auf den Kompost werfen. Ich würde eine Zeitung nicht ablecken drum hab ich mich gefragt ob ich sie dann im Gemüsebeet haben will.
Gerade die Farbdrucke sind, glaube ich ganz ungeeignet. Es ist wirklich großartig, dass ihr euch so hinter solche Themen klemmt und gewissenhaft recherchiert.

Es ist besser alles zu hinterfragen und nicht hirnlos jedem Bio-Trend hinterher zu rennen.

Lieber Gruß
Gina

P.S: Super Fotos!

liebe alle!

ich finde gartenrot hat ein weiteres interessantes thema angesprochen, nämlich jenes der alternativen:

nicht nur, dass plastiktöpfe aufwändig produziert werden (möchte diese bei großen, schweren pflanzen nicht missen, verwende aber sonst tontöpfe) gibt es ja z. b. auch bei mineralwasserflaschen aus kunststoff immer wieder die diskussion, ob dieses wasser nicht weitaus mehr mit umwelthormonen belastet ist als jenes aus den glasflaschen.

wie umwelthormone auf die gesundheit wirken ist meines wissens noch nicht ausreichend erforscht, aber es würde mich interessieren, ob plastiktöpfe solche und vielleicht auch andere (bedenkliche) stoffe abgeben, die dann von den wurzeln der pflanzen aufgenommen werden können? insbesondere wenn es sich um obst- oder gemüsepflanzen handelt…

lg,
nicole

Hallo Buddler,

selbst wenn die Druckerschwärze auf den Zeitungen unkritisch ist, besteht die Zeitung aus Recyclingpapier, welches bereits in seinem früheren Leben kontaminiert wurde. Ich erinnere mich, dass Öko-Test mal in diversen Lebensmitteln Rückstände von petrochemischen Erzeugnissen gefunden hat, was auf die Verpackungen aus Recyclingpapier zurück geführt wurde.

Eine Alternative zu Papier sind z.B. Getränkekartons. Diese erfüllen Lebensmittelstandard (da sie direkt im Kontakt sind) und haben zudem schon Behälterform und Abflussloch ;-)

Hier ein Foto wie so etwas aussehen kann (von mir aufgenommen im Prinzessinnengarten in Berlin): http://www.biobalkon.de/wp-content/uploads/2012/03/IMG_9688.jpg

Schönen Gruß
Richard

Hallo Richard,
leider bedeutet Lebensmittelstandard nicht unbedingt, dass es ungiftig ist. Kunststoffe sind voller gefährlicher Stoffe, wie beispielsweise Bisphenol-A, etc. Setzt man die Kunststoffe Belastungen aus, für die sie nicht ausgelegt waren, können die Stoffe an die Umwelt freigesetzt werden und somit auch in die Nahrungsmittel übergehen. Dazu aber mehr in einem späteren Artikel.
LG, der Buddler

Eierkartons sind die optimalen Anzuchttöpfchen – sind alle schon aus kompostierbarer Pappe hergestellt. Bis zum setzen sind sie durchweicht und werden mit in die Erde gebracht wo sie schnell verrotten. Wurzeln wachsen problemlos durch.
L.G. Grüner Riesengnom

Ich finde die Idee mit den Zeitungstöpfchen ganz gut, bin jedoch auch kritisch, was die Druckerfarben anbelangt. Die Eierkartons habe ich früher teilweise benutzt, da ich jedoch nun sehr selten Eier konsumiere, fallen die dahin…
Oft erhalten wir jedoch Päckchen, die als Füllmaterial unbedrucktes Papier enthalten – das könnte man sicher bedenkenlos für Anzuchttöpfchen verwenden. Werde das gleich ausprobieren, wenn ich nächste Woche meinen Balkon-Gemüse-Garten einrichten werde :-)))

Ihr könnt auch Klopapierrollen nehmen! Die sind schon rund und ohne Farbe.

Zu bedenken wäre, dass auch Toilettenpapier-Rollen geklebt wurden und auch in Recyclingpapier noch so einige Farb- und Chemiereste verbleiben. Wie im Artikel beschrieben wurden die Auswirkungen von verrottenden Papierresten auf den Garten noch nie wirklich untersucht.
Liebe Grüße, der Buddler

Hallo zusammen,

ich verwende für die Anzucht ausrangierte Zehner-Trays von gekauften Jungpflanzen, wie sie im Frühjahr bei Aldi & Co. angeboten werden. Da ich selber kaum jemals derartige Jungpflanzen kaufe, aber zwei Gräber zu pflegen habe, habe ich sie vor drei Jahren aus den auf dem Friedhof aufgestellten Gelben Säcken gesammelt und ausgewaschen. Daraus sind die gezogenen Jungpflanzen dann auch gut zu lösen.
Inwieweit aus diesem Kunststoff Stoffe in die Erde bzw. die Jungpflanzen übergehen weiß ich natürlich nicht.

Gruß
Carolyn

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