Chili existieren in allen erdenklichen Schärfegraden von extrem mild bis zum Höllenfeuer auf der Zunge. Wie bei den Paradeisern (Tomaten) besteht die Gefahr, beim selbst Ziehen richtig gehend süchtig zu werden. Die verschiedenen Sorten mit ihren Eigenheiten verführen dazu, Samen zu sammeln und jedes Jahr neue Sorten auszuprobieren. Jeder „Pepperholic“ den die Chili-Leidenschaft gepackt hat, kann davon ein Lied singen.

Vor dem Chili-Anbau

Damit man in Sommer und Herbst die Chilis ernten kann, muss man mit der Aussaat früh starten. Chilis benötigen vom Auspflanzen bis zur Ernte mindestens 60 Tage. Einige Sorten brauchen sogar fast doppelt so lange zum Wachsen und Reifen. Daher ist es ratsam, bereits im Februar die Samen zu säen. Da Herbstfröste die Ernte und das Leben der Chilipflanzen beenden haben die Chilis nicht lange Zeit um Früchte zu bilden. Daher: Je eher man sät, umso früher und mehr kann man ernten. Die Samen keimen gerne bei angenehmen 22°C bis 25°C. Das ist in unserer Gegend natürlich nur im Haus bzw. in der Wohnung machbar.

Vor dem Anbau sollte man einige Fragen klären:

Welche Sorten will ich anbauen? Jalapeño, Peru Yellow, Habanero Madame Jeanette, Habanero Suave orange, Trinidad Moruga Scorpion, Cayenne, Scotch Bonnet oder Thai Chili? Bei mehreren hundert Sorten scheint die Auswahl schier grenzenlos. Üblicherweise sind nur einige wenige Sorten im Handel erhältlich. Wer nach speziellen Sorten sucht, wird besonders auf Pflanzenmärkten, Raritätenbörsen oder übers Internet schnell fündig.

Konservieren: Es gibt Sorten die sollte man möglichst frisch verarbeiten. Andere Sorten lassen sich super trocken und einfrieren.

Schärfe: Ein paar Sorten sind unfassbar scharf. Je schärfer die Chilis, desto weniger benötigt man üblicherweise in der Küche. Da reicht meist eine Pflanze, da man sonst rasch zu viele Chilis hat. Mildere Sorten, die man in größeren Mengen verarbeiten kann, sollten daher auch mehr Platz im Beet erhalten.

Platz im Beet: Jede Pflanze sollte im Idealfall um die 45cm Platz zum Gedeihen bekommen. So hat sie immer genügend Sonne und Luft.

Freiland oder Glashaus: Es gibt kältetolerantere Chilis und Chilis die höhere Temperaturen lieben.

 

Vorbereitung

Nachdem man sich entschieden hat, welche Sorten man anbauen möchte, stellt sich die Frage, woher man das Saatgut bekommt. Wer will, kann von seinem Lieblingschili eine schrumplige Schote nehmen und die Samen entnehmen. Das ist zum Ausprobieren recht lustig, allerdings besteht immer das Risiko, dass die Samen kein sortenreines Erbgut enthalten. Wer sicher gehen will, dass er sortenreine Schoten erntet, sollte auf Qualitätssamen zurückgreifen.

Ideal zum Vorziehen von Chilis eignen sich kleine Vorzuchthäuschen fürs Fensterbrett. Besonders schmale, eher längliche Zimmergewächshäuschen sind ideal für die lichthungrigen Chilis, solange man daheim nur ein Fensterbrett zur Verfügung hat. Um zu vermeiden, dass die zarten Pflänzchen auf der noch kühlen Fensterbank kalte Füße bekommen, kann man beispielsweise Karton unterlegen. Alte Eierkartons schaffen einen wärmenden Luftpolster unter dem Gewächshäuschen. Chiliexperten tendieren zu Heizmatten um eine gleichmäßige Temperatur zu gewährleisten. Es gibt sogar beheizbare Anzuchtkästen mit Erd-Thermometer. Als Hobbygärtner schafft man es aber auch ganz gut mit dem guten alten Anzuchthäuschen.

Wie man Vorzuchttöpfchen aus Zeitungspapier herstellt, könnt ihr in unserem PaperPotter-Artikel nachlesen. In vielen Vorzuchthäuschen finden sich Mulden für Quelltöpfchen. Lasst in jedem Fall die Finger von Vorzuchttöpfchen und Quelltöpfchen aus Torf. Es gibt genügend umweltschonendere Alternativen!

Verwendet man keine Quelltöpfchen, die bereits ihre eigene Anzuchterde enthalten, muss man darauf achten, keine zu stark gedüngte Erde zu verwenden. Für diesen Einsatz gibt es besonders im Frühjahr eigene Anzuchterde zu kaufen. Verwendet man Töpfchen, die bereits benutzt wurden, sollten diese gut ausgewaschen werden. So entfernt man eventuelle Krankheitserreger und Schimmelpilze. Auch die Anzuchterde lässt sich sterilisieren indem man sie zum Beispiel bei knapp 200°C für mindestens eine halbe Stunde in einer Auflaufform erhitzt. Nach dem vollständigen Auskühlen kann die Erde verwendet werden.

Chili Saatgut vorziehen

Wenn man ältere Samen verwendet empfiehlt sich eine Keimprobe um zu sehen ob es sich noch auszahlt diese Samen auszusäen oder ob man besser auf frisches Saatgut zurückgreifen sollte. Je nach Chili-Sorte benötigen die Samen unterschiedlich lange zum Keimen. Durchschnittlich nach zwei Wochen sollte sich etwas im Topf tun.

Die Samen am besten vor dem säen in warmes Wasser legen. Pro Anzuchttöpfchen werden nun, am besten mit Hilfe eines Zahnstochers, 2 bis 3 Samen in je ein ca 3 mm tiefes Loch gelegt und vorsichtig mit Erde bedeckt. Das Beschriften nicht vergessen, denn Keimlinge und auch Jungpflanzen der Chilis ähneln sich sehr.

Nach etwa zwei Wochen sollte sich was tun im Gewächshaus. Wenn man nach weiteren drei Wochen mindestens zwei Blattpaare sieht – die Keimblättchen nicht mitgezählt – kann man mit dem Pikieren beginnen. Man kann sich mit einem Pikierstab helfen oder zum Beispiel mit Essstäbchen. Das Pikieren entfällt, wenn man seine Samen in Quelltöpfchen, sich auflösenden Vorzuchttöpfchen aus Kokos oder Papier etc. gepflanzt hat. Diese Vorzuchttöpfchen kann man so wie sie sind in einen größeren Topf umpflanzen. Das ist sehr praktisch, zeitsparend und wurzelschonend.

Sobald der Frühling da ist und die Temperaturen über 5 Grad steigen, können die Pflänzchen langsam an einem windgeschützten Ort die Sonne genießen. Bitte nicht gleich in die pralle Sonne stellen. Darum mit Halbschatten anfangen und langsam an die Sonne gewöhnen. Wenn es noch zu kalt ist, sollte man sich noch etwas Zeit lassen.

Im Mai, wenn die Gefahr der Fröste (Eisheilige) vorbei ist, können die Chilis ins Freie gepflanzt werden. Sehr wärmebedürftige Chilis sollten in ein Gewächshaus ziehen.

Zeitplan für Chilis im Garten

Damit man sich bei der Planung ein wenig orientieren kann, will ich hier einen groben Zeitplan zusammenfassen:

  1. Keimprobe im Jänner
  2. Aussaat im Februar bzw. März
  3. Auspflanzen nach den Eisheiligen im Mai (kann in milden Gegenden aber auch früher erfolgen)
  4. Ab August kann üblicherweise mit der Ernte begonnen werden. Bis zum Herbst, aber spätestens mit Einsetzen der Frostnächte sollte man Chili-Pflanzen an denen man besonders hängt zum Überwintern ins Haus oder ins Gewächshaus holen.