Sobald wir aus dem Haus in den Garten treten, befinden wir uns in der Natur, die tausenden kleinen und großen Prozessen unterworfen ist. Besonders wichtig dabei ist natürlich das Wetter. Es gibt wohl keinen Gärtner, der nicht laufend das aktuelle und künftige Wetter am Ort seines Gartens kontrolliert. Mindestens eine Wetter-App – meist aber sogar mehrere – am Smartphone sind Pflicht. Was wissen wir aber wirklich vom Wetter?

Ich bin in Wien, nahe der Innenstadt aufgewachsen. Wien ist zwar eine schöne Stadt in der es auch viel Grün gibt, aber dennoch ist es ein großer Unterschied zu einem Leben auf dem Land. In der Stadt war ein Sturm keine große Sache, Regen säuberte die Straßen und Schnee wurde rasch braun und matschig. Bei strahlendem Sonnenschein fühlt man sich hingegen wie in einem Kochtopf.

Das Wetter spielt in der Stadt keine große Rolle als Teil der Natur. Als Mensch ist einem das Wetter in der Stadt nur wegen der eigenen Befindlichkeiten und Vorlieben wichtig. Ganz anders ist es auf dem Land und ganz besonders, wenn man einen Garten hat oder sogar einen landwirtschaftlichen Betrieb führt. Hier ist das Wetter eine echte Naturgewalt, die über Erfolg oder Misserfolg einer ganzen Ernte entscheidet. Ein unerwarteter Nachtfrost oder Hagel können Pflanzen von einem Tag auf den anderen zerstören. Auch die eigene Sicherheit ist in der Natur ein wichtiges Thema. Ein tobender Sturm kann rasch zu einer großen Gefahr werden und es ist ratsam, sich möglichst früh an einen geschützten Ort zu begeben.

Ich liebe es, wenn Donnergott Thor seinen Hammer schwingt und der Donner weit durch die Täler und quer durch den Wald dröhnt. Ich finde es faszinierend, wenn Blitze zwischen den Wolken zucken oder aus dem Himmel zu Boden geschleudert werden. Es gibt nichts entspannenderes, als einem prasselnden Sommerregen zu lauschen und der Natur nach einer langen Hitzeperiode beim Aufatmen zuzusehen. Der Garten hat mich dazu gebracht, mich mehr mit dem Wetter und seinen Phänomenen und Zusammenhängen auseinanderzusetzen.

Örtliches Wetter

Die Wettervorhersage hat für bis zu einer Woche eine Treffergenauigkeit von etwa 70 Prozent. Für die kommenden 24 Stunden liegt die Wahrscheinlichkeit sogar bei 90 Prozent. Die übrigen Prozent sind jedoch schwer zu berechnen, werden uns aber dennoch wie alle übrigen Prognosen präsentiert, anstatt uns auf die Problematik hinzuweisen.

Die Wetterprognosen in den Medien werden noch von Meteorologen ausgewertet und bewertet, was diese Prognosen genauer macht. Apps und Online-Tools errechnen die Daten lediglich und überlassen dem User selbst die Interpretation. Egal welche Quelle man sich ansieht: Alle Wettervorhersagen sind, wenn es um kleinere Regionen und einzelne Orte geht, relativ ungenau.

Das Wetter in unserem Garten ist somit durch TV-Prognosen oder Wetter-Apps ein Stück weit vorhersehbar. Ein Gärtner sollte allerdings wissen, wie man diese Informationen deuten kann und wie man das Wetter selbst ein Stück weit vorhersehen kann. Nur so lässt sich das Wetter der nächsten Stunden in, um, über und sogar unter dem Garten bestimmen. Mit diesem Wissen kann man die Pflanzen im Garten und die Ernte besser vor Schaden bewahren.

Örtliches Wetter

Ein Gärtner sollte das Wetter über und um den Garten immer gut kennen.

Schmetterlingseffekt?

Der Schmetterlingseffekt ist ein Begriff aus der Chaostheorie. Dahinter steckt der Gedanke, dass selbst kleinste Veränderungen wie beispielsweise der Flügelschlag eines Schmetterlings durch Kettenreaktionen einen Orkan auf der anderen Seite des Erdballs verursachen könnten. Trotz dieser theoretischen Komplexität des Themas sollte man sich nicht verunsichern oder entmutigen lassen, denn die Vorzeichen in der Natur um uns folgen immerzu denselben großen Regeln.

Es macht vielleicht wenig Sinn, alle Weisheiten eines australischen Farmers über das Wetter in Queensland auf das Wetter in Österreich zu übertragen. Auch bei Bauernregeln sollte man vorsichtig sein, denn nicht alle sind sinnvoll. Ich konzentriere mich daher hier auf Wetterkunde im deutschsprachigen Raum, die auch wissenschaftlich fundiert ist.

Aurora: Abendrot und Morgenrot

Abendrot: Die Abendsonne kann uns viel über das künftige Wetter sagen. Ein rotglühender Sonnenuntergang ist in Mitteleuropa ein Zeichen für einen sonnigen Morgen. Hier kommen Wolken meist aus dem Westen und ziehen Richtung Osten. Die flach in die Atmosphäre eintretenden Sonnenstrahlen erscheinen nur dann rot, wenn sie auf eine weite Strecke nicht von Wasserpartikeln in Wolken gebrochen werden. Die Wahrscheinlichkeit für einen wolkenlosen Himmel ist in den kommenden 12 Stunden somit sehr hoch. Die Bauernregel „Abendrot, gut Wetterbot“ trifft also zu.

Abendrot über Wien

Abendrot am Himmel über Wien

Morgenrot: Aurora war in der römischen Mythologie die Göttin der Morgenröte. Sie bedeutet unter Umständen, dass schlechtes Wetter im Anmarsch ist. Bedingung ist anhaltender Westwind und ein wolkenloser Himmel im Osten, sowie erste sichtbare Wolken im Westen, die vom Wind allmählich über den Himmel geschoben werden und diesen verdunkeln. „Morgenrot schlecht Wetter droht“ trifft ebenfalls oft zu.

Es gibt aber wie immer auch Ausnahmen. Bei Wind aus anderen Himmelsrichtungen als aus Westen, wechselhaftem Wind oder gar gegenläufigen Windrichtungen in den atmosphärischen Schichten lassen sich weder bei Abend- noch bei Morgenrot Prognosen treffen.

Grüner, gelber oder rosa Himel beziehungsweise Wolken sollen angeblich vor Hagel, Sturm oder Tornados warnen. Die Farbe kommt in vielen Fällen von Staubpartikeln in der Atmosphäre. Bei Sturm oder Tornados kann das durchaus vorkommen, da diese Staub vom Boden in hohe Luftschichten befördern können. Auch Hagel wäre wahrscheinlich, da auch Hagelkörner immer Partikel benötigen um sich daran zu bilden. Als Ankündigung für Wetterereignisse sind diese Himmelsfarben allerdings nur mäßig zu gebrauchen, da die Statistik eher dagegen spricht.

Anemoi: Windrichtungen

Die Anemoi waren die Götter des Windes und personifizierte Winde in der Mythologie der alten Griechen. Winde sind nicht alleine Luftströmungen. Mit dem Wind reist unter anderem auch Wasserdampf um die Welt. Durch das Bestimmen der Windrichtung, lassen sich einige Prognosen treffen. Ein klassisches Instrument für die Bestimmung der Windrichtung, den Wetterhahn, findet man noch auf so manchem alten Hausdach. Der Hahn dreht sich in die Richtung, aus der der Wind kommt. Darunter befindet sich ein Kreuz, das die jeweilige Himmelsrichtung markiert.

Westwind trägt die feuchte Meeresluft zu uns, was Wolken und auch Regenfälle bedeutet. Im Sommer senken die Wolken die Temperatur. Im Winter hingegen bedeutet eine dichte Wolkendecke, dass die Temperaturen nicht stark fallen werden.

Südwind holt uns Wärme aus dem Mittelmeerraum oder aus der Sahara. Im Sommer bedeutet das oft eine Hitzewelle. Trifft der feuchte Südwind, besonders Wind aus Südwest, auf kühlere Luft, so steht uns Regen bevor. Im Winter bedeutet das Aufeinandertreffen von warmem Südwind auf polaren Nordwind sogar dass es Sturm geben wird.

Ostwind besteht aus trockener kontinentaler Luft und bringt klaren Himmel und stabile Wetterverhältnisse. Der Ostwind verstärkt jede Jahreszeit. Das Ergebnis sind drückende Hitze im Sommer und bittere Kälte im Winter.

Nordwind bringt oft kühle Luft mit sich. Während er über Mitteleuropa streicht, trifft er meist auf andere, wärmere Luftströmungen, weshalb Nordwind auch als rauer Sturmbringer berüchtigt ist. An der Alpennordseite wird die Luftströmung nach oben, in noch kühlere Schichten gedrängt, wo sich Wolken auftürmen und schließlich abregnen.

Windräder drehen sich mit dem Wind. Je nachdem ob Luv- oder Leeläufer dreht sich das Rad jedoch in den Wind oder vom Wind weg.

Windräder drehen sich mit dem Wind. Je nachdem ob Luv- oder Leeläufer dreht sich das Rad jedoch in den Wind oder vom Wind weg.

Nephele: Wolkenbilder

Ist es nicht schön, im Garten zu liegen, in den Himmel zu blicken und beim Deuten von Wolkenformationen die Seele baumeln zu lassen? Bereits in der griechischen Mythologie spielt die Gestalt einer Wolke eine besondere Rolle. Nephele ist eine von Zeus erschaffene Wolke in der Gestalt der Göttin Hera.

Wolken bestehen aus Wasserdampf und somit aus kleinen Wassertröpfchen oder Eiskristallen. Bei dünnen Wolkenschichten kann Sonnenlicht hindurch gelangen und durch die Lichtbrechung erscheinen diese Wolken weiß. Dickere Wolkenschichten lassen kaum oder kein Licht mehr hindurch scheinen, weshalb sie zunehmend grau und düster wirken. Je dunkler die Wolke also erscheint, desto mehr Wassermasse wird darin transportiert.

Ein Vorbote für Regenwetter sind Kondensstreifen von Flugzeugen und somit künstliche Wolken. Lösen sich diese hinter dem Flugzeug nicht mehr auf und überziehen das Himmelszelt, so wird der Himmel bald voller Wolken sein. Das liegt am Auftauchen eines Tiefdruckgebietes. Die Luft wird hier dünner und das Wasser kann sich in der vorhandenen Luft nicht mehr zur Gänze auflösen. So entsteht aus feuchter Luft eine Wolke. Diese Änderung des Wetters ist mit einer gegenläufigen Bewegung von hohen Luftschichten und bodennahen Winden verbunden.

Regenwolken

Sind am Horizont hohe Wolkentürme im Anmarsch, regnet (oder schneit) es möglicherweise bald.  Die grauen, schweren Nimbostratus-Wolken bringen viel und lang andauernden Regen. Im Winter kommt mit ihnen Schnee oder Schneeregen. Sind die Nimbostratuswolken in Sichtweite, beginnt es oft bereits zu regnen.

Nimbostratus-Wolken bringen viel und lang andauernden Regen.

Nimbostratus-Wolken bringen viel und lang andauernden Regen.

Gewitterwolken

Ambosswolken (Cumulonimbuswolken), also Wolken die nach oben hin ausfransen und breiter werden, deuten auf ein nahendes Gewitter hin. Sie bilden sich aus harmlosen Haufenwolken und mit ihnen kommen heftige Schauer, starker Wind, Gewitter und sogar Hagel. Kurz vor dem Eintreffen der Gewitterfront ziehen Winde, teils auch starke Sturmwinde über die Landschaft. Beginnt es schließlich zu regnen, lassen die Winde unmittelbar nach. Die regnerische Warmfront (Tiefdruckgebiet) wird von einer Kaltfront (Hochdruckgebiet) voran geschoben. Nach dem Regen wird es also kalt. Zwischenzeitlich kann auch die Sonne scheinen. Solange die Kaltfront aber nicht vorüber ist, wird immer wieder Regen fallen.

Ambosswolke am Horizont

Ambosswolken deuten auf ein nahendes Gewitter hin.

Niederschlag: Von Regen bis Schnee

Typisch für flachere Wolken: Lang anhaltender Nieselregen entsteht, wenn sich allmählich die kleinen Wassertröpfchen der Wolke zu größeren Tropfen miteinander verbinden.

Je höher und lichtundurchlässiger eine Wolke ist, desto wahrscheinlicher ist es auch, dass sie Regen bringt. Große Regentropfen können sich nur in hohen Wolkentürmen bilden. Weit oben in diesen Türmen bilden sich Eiskristalle, die durch Anfrieren immer mehr Wasser an sich binden. Bald werden sie zu schwer und fallen. Ist es in den unteren Luftschichten warm genug, so taut das Eiskorn bzw. die große Schneeflocke auf und wird zu einem dicken Wassertropfen. Taut der Eiskristall nicht vollständig, dann erreicht er als Hagel den Boden. Ebenso sieht es bei Schnee aus.

In kalter Luft findet sich kaum flüssiges Wasser, weshalb die Flocken kaum wachsen. Im Winter gilt daher, dass kleine Flocken bei großer Kälte entstehen. Diese Flocken werden somit auch eher liegen bleiben. Dicke Flocken bilden sich eher bei Tauwetter, weshalb diese üblicherweise auch sehr rasch schmelzen. Diese dicken Schneeklumpen aus Nassschnee haften überall ausgezeichnet, so auch auf Ästen von Bäumen und Sträuchern. Klopft man diesen Schnee nicht rechtzeitig ab, kann es geschehen, dass die Äste unter der Last zerbrechen. Wird der Schnee pappig und ist für den Schneemannbau gut zu gebrauchen, so zeigt das, dass es zumindest kurzfristig wärmer wird.

Niflheim: Nebel, Tau und Reif

In der nordischen Mythologie ist Niflheim eine Welt des Nebels und des Eises an einer der Wurzeln des Weltenbaums, der Esche Yggdrasill. Nebel und Kälte gehören üblicherweise zusammen, denn Nebel entsteht, wenn sich die Temperatur feuchter Luft absenkt und sie daher nicht mehr so viel Wasser aufnehmen kann – Die Temperatur sinkt also unter den Taupunkt. Die feinen Wassertröpfchen schweben in der Luft, brechen das Licht und versperren so die Sicht. Das Ergebnis sind, zumeist im Herbst und im Winter, mystische und schaurige Nebelschwaden.

Nebel zwischen Bäumen

Nebel, oder zumindest gesättigte Luft ist immer mit sinkenden Temperaturen verbunden.

Nebel, oder zumindest gesättigte Luft ist immer mit sinkenden Temperaturen verbunden. Tau oder Frost, zum Beispiel an Pflanzen ist daher immer ein Hinweis, dass es einen Temperatursturz gab. Werden unsere Schuhe am Morgen beispielsweise beim Schlendern durch die Wiese nass, zeigt das nicht nur, dass es am Vortag vermutlich heiß und in der Nacht kalt war (ganz logisch eigentlich), sondern auch, dass der Tag voraussichtlich klar und sonnig werden wird. Das liegt daran, dass das Wasser aus der Luft über Nacht an diversen Oberflächen kondensiert ist und die Luft nach der neuerlichen Erwärmung durch den neuen Tag wieder sehr trocken ist.

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Alle Fakten in Kürze

  • Abendrot kündigt oft einen sonnigen Morgen an.
  • Morgenrot kündigt oft schlechtes Wetter an.
  • Westwind bringt Wolken und Regenfälle. Im Sommer senken die Wolken die Temperatur. Im Winter bedeutet eine Wolkendecke, dass die Temperaturen nicht stark fallen werden.
  • Südwind bringt Wärme oder Sturm. Im Sommer bringt Südwind oft eine Hitzewelle und evtl. Regen. Im Winter bringt Südwind oft Sturm.
  • Ostwind bringt oft klaren Himmel und stabile Wetterverhältnisse. Im Sommer bedeutet Ostwind drückende Hitze. Im Winter bringt Ostwind bittere Kälte im Winter.
  • Nordwind bringt oft kühle Luft und auch Stürme mit sich.
  • Kondensstreifen von Flugzeugen sind Vorboten für Regenwetter.
  • Hohe Wolkentürme bringen Regen bzw. Schnee.
  • Amboswolken weisen auf ein nahendes Gewitter hin.
  • Flache Wolken bringen Nieselregen.
  • Nassschnee weist darauf hin, dass es wärmer wird.
  • Nebel und Tau weisen auf sinkende Temperaturen hin.
  • Morgentau und Morgenreif zeigen, dass es in der Nacht stark abgekühlt hat.

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