Im letzten Sommer besuchte uns ein Igel, der wie wir leider feststellen mussten, verletzt war. Wir hatten eine Kamera gegenüber der Futterstelle angebracht und konnten auf den Bildern sehen, wie er sich aufgrund eines stark geschwollenen Hinterbeins nur hinkend fortbewegen konnte. Wir brachten den Igel also rasch zu den Spezialisten der Wildtierhilfe Wien, die sich nun um den kleinen Gesellen kümmerten. Obwohl alles Mögliche getan wurde, starb das stachelige Tier leider.

Während unser Igel bei der Wildtierhilfe versorgt wurde, planten und errichteten wir eine Auswilderungsvoliere, um dem Igel in seiner Heimat die Auswilderung nach seiner Genesung zu ermöglichen. Da unser Igel jedoch kurz vor der Fertigstellung des Geheges verstarb, stellten wir die Voliere danach für andere Pfleglinge der Wiener Wildtierhilfe fertig. Die ersten Gäste haben bereits in unserem Garten überwintert.

Auswilderungsvoliere für Igel im Garten der GartenGnome.

Wildtiere sind nicht zum Kuscheln da

Wildtiere wie Igel sind zwar außerordentlich süß und besitzen oft nur wenig Scheu gegenüber Menschen. Dennoch darf man sie nie als Haustier betrachten. Wenn Igel hilfsbedürftig sind, dann darf nicht eigenmächtig herumgedoktert werden − es muss eine igelerfahrene Wildtier-Auffangstation oder ein wildtierkundiger Tierarzt zu Rate gezogen werden. Dazu wollen wir bei Gelegenheit noch einen eigenen Artikel verfassen.

Ich will an dieser Stelle noch ausdrücklich darauf hinweisen, dass es verboten ist, Wildtiere wie Igel in Gefangenschaft zu halten! Eine Ausnahme stellt lediglich die kontrollierte Pflege und Vorbereitung auf die Auswilderung unter Aufsicht von Fachleuten dar.

Da wir nun regelmäßig Igel auf die Auswilderung vorbereiten werden, müssen auch wir ein gesundes Maß an Kontakt mit den Igeln und Abstand zu den Tieren waren. Grundsätzlich gilt, dass wir so wenig Kontakt mit den Tieren haben sollten und Störungen auf ein Mindestmaß beschränkt werden müssen. Dennoch müssen wir auch Kontrolle ausüben, indem wir regelmäßig Füttern, Kot entfernen und aus der Ferne bzw. mit Wildtierkameras beobachten.

Auswilderung von Wildtieren

Tiere in der „Auswilderung“ bzw. „Ausgewöhnung“ sollen nach einer Zeit der Gefangenschaft wieder an das Leben in freier Natur gewöhnt werden. Igel, die von einer Wildtierstation oder Igelhilfe gesund gepflegt wurden, sollten möglichst rasch wieder in die Natur entlassen werden. Besonders bei Jungtieren oder Tieren nach einer langen Behandlung ist diese Entlassung in die freie Wildbahn unter kontrollierten Bedingungen wichtig. Dafür wird ein Gehege benötigt.

Wenn man sich sicher sein kann, dass sich die Igel wieder in freier Natur zurechtfinden, sie ihren Tag-Nacht-Rythmus wieder gefunden haben und auch alles Weitere in Ordnung scheint, können die Igel aus der Auswilderungsvoliere gelassen werden. Natürlich ist eine fachgerechte Auswilderung eine komplexe Sache, bei der viele Aspekte berücksichtigt werden müssen. Daher begleitet uns die Wildtierhilfe mit Rat und Tat.

Igel bei der Wanderung durch die Gärten.

Wir bauen eine Auswilderungsvoliere

Nachdem wir GartenGnome mit der Wiener Wildtierhilfe vereinbart hatten, dass wir sie bei der Auswilderung unterstützen können, machten wir uns an die Planung. Das Gehege sollte eine Fläche von zumindest 6m² besitzen, unser Gehege umfasst etwa 9m². Da Igel üblicherweise Einzelgänger sind, kann auch ein sehr großes Gehege je nach Temprament der Tiere manchmal nur einen einzigen Igel aufnehmen.

Passenden Platz suchen

Zuerst mussten wir in unserem Garten einen Flecken suchen, den wir für dieses Projekt entbehren konnten. Da unser Garten sehr verwinkelt ist, wir aber so viel Fläche wie möglich ausnutzen wollten, musste auch der Grundriss sehr individuell ausfallen.

Plan erstellen

Wir erstellten also einen Plan um den Materialbedarf zu berechnen und um die Auswilderungsvoliere wie geplant zu errichten.

Plan des Igel-Auswilderungsgeheges

Plan des Igel-Auswilderungsgeheges

Damit wir uns das fertiggestellte Gehege besser vorstellen konnten, erstellte ich noch 3D-Skizzen. Die längste Seite erhielt schließlich eine Länge von über 4,5m und die Fläche beträgt über 8,5m². Unter dem Dachfirst ist das kleine Gebäude über 1,80m hoch, weshalb man hier auch stehen kann.

3D-Plan des Igel-Auswilderungsgeheges

3D-Plan des Igel-Auswilderungsgeheges

Material einkaufen

Aufgrund des Plans kann man nun einen Einkaufszettel erstellen. Hier als Beispiel unsere Liste:

  • Einschlaghülsen aus Metall (13 Stück)
  • Kanthölzer 9x9cm, Höhe 100cm (9 Stück)
  • Kanthölzer 9x9cm, Höhe 180cm (4 Stück)
  • Kanthölzer 4x4cm, diverse Längen (8 Stück)
  • Kanthölzer für Verkleidungen und Türe
  • Scharniere (2 Stück)
  • Riegel (mind. 1 Stück)
  • Türknauf
  • Volierendraht verzinkt (Maschenweite ca. 12mm)
  • Hasendraht verzinkt (Maschenweite ca. 2x2mm)
  • Draht zum Verbinden der Gitter
  • Schrauben, Klammern für Druckluft-Klammergerät

Baugrund abstecken

Zuerst wurde der Baugrund mit Hölzchen und Schnur abgesteckt.

Bodenanker für Steher

Danach schlugen wir die Einschlaghülsen (Bodenanker) an den vorgesehenen Punkten ein und überprüften die korrekte Einschlagtiefe mit Maßband und Wasserwaage.

Igel Auswilderungsvoliere: Die Bodenanker für die Holz-Steher werden eingeschlagen.

Aushub

Da die Voliere auch unter der Erde aus- und einbruchsicher gemacht werden musste, wurde die Grasnarbe vorsichtig abgestochen und neben der künftigen Voliere aufgestapelt. In unserem Garten konnten wir in diesem Fall leider nicht sehr tief graben. Wem es möglich sein sollte, sollte zumindest bis zu einer Tiefe von etwa 20cm graben.

Steher befestigen

In die Bodenanker wurden nun die Steher geschraubt. Dabei versicherten wir uns immer wieder mit Keilen und Wasserwaage, dass die Steher möglichst gerade standen.

Bodenschutz

Damit der Igel nicht nach Außen und andere Tiere nicht in die Voliere gelangen können, legten wir nun die Baugrube mit Hasendraht aus. Die Seiten ließen wir etwas überlappen und verbanden sie mit Draht. An den Kanten der ausgehobenen Grube brachten wir Volierendraht an, der zu einem L-Profil gebogen war und so einen nahtlosen Übergang zwischen Bodenschutz und dem übrigen Volierengitter gewährleistet. Auch der Volierendraht wurde durch Drahtstücke mit dem Hasendraht am Boden verbunden.

Um das Igel-auswilderungsgehege rundum ausbruchsicher zu machen, wird auch im Boden ein Gitter angebracht.

Verstrebungen und Dachsparren

Nun wurden alle Verstrebungen und auch die Zargen für die Dachkonstruktion in Gehrung gesägt und verschraubt.

Aushub zurück in die Voliere

Nun ist es an der Zeit, die Grasnarbe wieder an den alten Platz zurück zu bringen. Wir legten also die ausgestochenen Rasenziegel in die Grube auf den verlegten Hasendraht.

Volierendraht anbringen

Nachdem das hölzerne Grundgerüst fertig gestellt war und der Boden der Voliere wieder mit Gras bedeckt war, brachten wir mit einem Tacker den Volierendraht an der Konstruktion an. Dabei achteten wir auf die ausreichende Überlappung mit dem hochgezogenen L-Profil, das den Verbund mit dem Bodenschutz herstellt. Eine möglichst optimale Verteilung der Gitterbahnen sowie deren Überlappungen und ihr Verbund mit Drahtstücken war zwar knifflig, aber durchaus machbar.

Nachdem das hölzerne Grundgerüst fertig gestellt war, brachten wir mit einem Tacker den Volierendraht an der Konstruktion an.

Verletzungsrisiken minimieren

Um die Verletzungsgefahr für Tier und Mensch zu minimieren, entfernten wir alle scharfkantigen Grate mit einer Feile sowie alle überstehenden Drahtenden mit einem Seitenschneider. Alle Kanten der Drahtbahnen die entlang der Steher und Kanthölzer verlaufen wurden mit einem Versenker tiefer ins Holz geschlagen. Einige Überlappungen wurden zusätzlich mit dünnen Kanthölzern verblendet.

Türkonstruktion

Die Türe wurde ebenfalls aus, in Gehrung geschnittenen Kanthölzern gefertigt, an die ebenfalls der Volierendraht getackert wurde. Hier gilt es besonders, auf eine stabile und verzugsfreie Konstruktion zu achten. Die Scharniere müssen die Last tragen können. Auch an eine Verriegelung sollte unbedingt gedacht werden.

Igelgerechte Innenarchitektur

Nun geht es an die Gestaltung des Innenlebens der Voliere. Versteckmöglichkeiten, Reisighaufen, große Äste, steinerne Hindernisse, etc. schaffen ein natürlicheres Umfeld, das den künftigen Bewohnern fürs Erste einige Beschäftigung bieten wird.

Igel sind Einzelgänger, allerdings kommen viele von ihnen auch eine Zeit lange mit Artgenossen aus. Da es der Wildtierhilfe besonders im Herbst an ausreichend Möglichkeiten zur Unterbringung und Auswilderung mangelt, sollten in unserer Voliere gleich zwei gesundete Igel überwintern um auf ihre Auswilderung im Frühjahr vorbereitet zu werden. Dementsprechend benötigten wir genügend Versteckmöglichkeiten und Häuschen zur Überwinterung, damit sich die Igel zur Not auch aus dem Weg gehen können.

In der Tierhandlung kauften wir Unterstände, Holz-Tunnel und Häuschen für Nager. Von Vivara erstanden wir zwei Überwinterungshäuschen. Aus dem Wald holten wir uns Reisig, dicke Äste, Baumwurzeln, Zapfen, Steine und mehr um eine möglichst abwechslungsreiche und natürliche Umgebung zu schaffen. Im Spätherbst sammelten wir schließlich mehrere Säcke Laub und trockene Gräser für die Überwinterung der kleinen Stachelpelze.

Inneneinrichtung des Igel-Auswilderungsgeheges.

Die Überwinterung der Igel

Letzten Herbst war es dann soweit und zwei Mitarbeiter der Wiener Wildtierhilfe besuchten uns. Mit dabei hatten sie zwei Igel, die von der Wildtierhilfe gesund gepflegt worden waren und nun in der eben fertig gestellten Auswilderungsvoliere überwintern sollten.

Die beiden Igel erkundeten munter das Gehege und suchten sich schließlich ein Versteck. Glücklicherweise kamen beide gut miteinander aus. Das überprüften wir auch mit Wildtierkameras. Bis zum Winter legten die beiden Tiere noch ordentlich an Gewicht zu. Wir waren überrascht, wieviel Laub, Gräser, Heu und mehr die Igel in ihre Überwinterungs-Quartiere verbauten. Ein Igel baute sein Nestchen ganz nach Plan in einem der Igelhäuser. Der andere ignorierte das Angebot und baute sich gleich neben dem Häuschen einen Haufen.

Igel in Überwinterungshäuschen und Haufen im Auswilderungsgehege.

Während den Wintermonaten deckten wir das Gehege mit einer Plane ab. Darunter hatten es die Igel auch über die sehr regenreichen Wintermonate trocken. Bald verkrochen sich die beiden Igel in ihren Winterquartieren und traten am 25. November ihren langen Schlaf an. Zur Sicherheit stand den den gestachelten Tierchen immer ein wenig Trockenfutter und Wasser bereit.

Igel beim Schlaf in seinem Überwinterungshäuschen.

Am 18. März bekam der erste Igel Hunger und fraß ein wenig. Ab 21. März waren dann beide Igel wieder munter auf den Beinen. Unter Anleitung der Experten von der Wiener Wildtierhilfe wogen wir die Igel vor dem Winterschlaf und danach um festzustellen, ob das Gewicht für den Winterschlaf ausreichte und wieviel Gewicht die Beiden über die Wintermonate verloren.

Ab in die Wildnis – Die Auswilderung

Im April war es dann soweit und die Igel konnten in die Freiheit entlassen werden. Wir stellten ihnen zwar noch eine Zeit lang Futter und Wasser in ein Katzensicheres Igelfutterhaus, aber der Freiheitsdrang war wohl zu groß. Wir hoffen, dass sie ein neues Revier gefunden haben, in dem sie nun ein schönes Leben führen können.

Zwischen August und September werden wir voraussichtlich die nächsten Auswilderungs-Kandidaten erhalten. Wir freuen uns bereits darauf, weiteren Igeln bei ihrer Wiedereingewöhnung und Entlassung in die Freiheit zu helfen.

Ein Igel im Auswilderungsgehege.

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