Die meisten Menschen kennen sie nur aus Büchern, manch einem Städter mag ein putziges Tierchen mit Stacheln auf dem Rücken wie ein Fabeltier erscheinen und doch gibt es sie noch. Auch wir haben Igel im Garten, allerdings sind sie sehr scheu und zudem noch nachtaktiv, weshalb wir nur von Zeit zu Zeit ein Tier zu Gesicht bekommen.

Neuerdings besuchen uns, vielleicht auch weil unsere Wildhecken nun bereits beachtliche Ausmaße erreichen, immer regelmäßiger ein paar Igel und wir wollen Euch natürlich daran teilhaben lassen.

Absätze

Igel – Die Fabeltiere in unserem Garten

Schon als Kind, das in der Großstadt aufwuchs, kamen mir Igel wie Fabeltiere vor. Kleine süße Pelztierchen, die am Rücken pieksende Stacheln tragen und sich bei Gefahr zu einer Stachelkugel zusammenrollen können sind ja auch nicht alltäglich anzutreffen. Bei meinen Großeltern am Land zeigte mir mein Großvater einmal eine Igeldame, die kurz zuvor Junge zur Welt gebracht hatte. Mit ihren frisch gebackenen Babies versteckte sich die Igelmutter unter einem Holzstoß. Die Stacheln der kleinen Igelkinder waren noch ganz elastisch und hell. Nun lebe ich schon längere Zeit auf dem Land und habe auch hin und wieder einen Igel im Unterholz huschen gesehen. Trotzdem bleiben die scheuen Wesen üblicherweise eher Garten-Geister, die man nie genau betrachten kann.

In den alten Fabeln heißen Igel „Arbnora“ oder, wie in der Fabel vom Hasen und dem Igel „Swineigel“, die ängstliche und introvertierte, aber durchaus schlaue Wesen darstellen. Diese Eigenschaften treffen wohl auch auf die Igel in unserem Garten zu. Im Frühjahr wunderten wir uns, weshalb in unserer Boden-Futterstation für Gartenvögel die mit Mehlwürmern gefüllte Schale über Nacht regelmäßig geleert wurde. Wir stellten also Wildtierkameras auf, die Aufnahmen vom nächtlichen Geschehen machten. So sahen wir, wie mehrere Igel sich mit viel Mühe und Geschick durch die Gitterstäbe der Bodenstation zwängten um an die begehrten Snacks zu gelangen. Da dieser Käfig für Igel gefährlich werden kann, haben wir schließlich die Mehlwürmer über Nacht aus der Futterstation entfernt.

Das verborgene Leben der Igel

Wenn man in Europa von Igeln spricht, meint man üblicherweise Stacheligel. Im deutschsprachigen Raum trifft man eigentlich nur auf die Unterart der Kleinohrigel und noch ganauer auf Braunbrustigel (auch Westigel bzw. Westeuropäischer Igel). Östlich von Österreich beginnen auch die Terretorien der Nördlichen Weißbrustigel.

Igel zählen zu den ältesten Säugetierformen. Ihr Stammbaum reicht über 60 Millionen Jahre in die Vergangenheit zurück. In ihrer heutigen Form gibt es Igel bereits seit ca. 15 Millionen Jahren. Noch vor rund 10 Millionen Jahren lebte im heutigen Süditalien auch der Riesenigel Deinogalerix mit einer Körperlänge von ca. 60 Zentimetern. Er besaß noch keine Stacheln, dafür aber einen Schwanz wie die heutigen Rattenigel. Bestimmt sah dieser Urigel nicht so putzig aus, allerdings dürfte auch er sich hauptsächlich von Insekten ernährt haben.

Das wohl auffallendste Merkmal der heutigen Westigel sind ihre Stacheln: diese sind eigentlich 6.000 bis 8.000 hohle und verhärtete Haare, die Kopfoberseite und Rücken bedecken. Bei Gefahr rollen sich die Igel zusammen und richten ihre Stacheln auf, so dass alle Seiten vom dichten Stachelkleid geschützt werden.

Igel-Nahrung

Igel sind nachtaktiv und fressen hauptsächlich Insekten. Sie fressen beispielsweise Käfer und Käferlarven, Larven von Nachtfaltern und Schnaken sowie Spinnen, Regenwürmer, Hundertfüssler, Tausendfüssler und Schnecken. Gerade für Gärtner wird immer hervorgehoben, dass Igel Schnecken vertilgen, was sie zwar tatsächlich tun, aber ihre Leibspeise dürften sie nicht gerade sein.

Pflanzliche Nahrung wird wohl eher zufällig aufgenommen, beispielsweise weil Würmer im Apfel stecken. Igel scheinen auch hin und wieder ordentlich Gusto auf süßes Obst wie Äpfel oder Birnen zu verspüren. Alle verspeisten Pflanzenteile scheinen jedoch nahezu unverdaut wieder ausgeschieden zu werden, weshalb diese Art der Nahrung dem Igel im Besten Fall Feuchtigkeit zuführt oder auch das eine oder andere Insekt, das sich in der Frucht breit gemacht hatte.

Wenn Igel nicht gerade abgemagert aufgefunden werden, sollte man sie nicht füttern. Kein noch so gut abgestimmtes und teures Igelfutter kann die natürlich aufgenommene Nahrung ersetzen. Gerade Igeltrockenfutter sind sogar in den meisten Fällen totaler Blödsinn. Igel sind Insektenfresser und können Nüsse, Früchte und Getreide nicht verwerten. Gerade diese Füllstoffe sind aber in den meisten im Handel erhältlichen Futtermitteln enthalten.

Will man Igeln dennoch besonders im Frühjahr, wenn der Winterspeck verschwunden ist und im Herbst, wenn der Winterspeck der Igel wieder aufgebaut werden muss Zufüttern, dann gilt es Folgendes zu beachten:

Was darf gefüttert werden?

  • ✔ Katzenfutter mit hohem Fleischanteil, ohne Zucker, ohne Gemüse, ohne Getreide und ohne Gelee.
  • ✔ Insekten idealerweise frisch oder gefroren, zur Not aber auch getrocknet kann man in Maßen zum Hauptfutter gereicht werden.
  • ✔ Hackfleisch (Faschiertes): ca. 30g ohne Pflanzenfett und ungewürzt anbraten und abkühlen lassen.
  • ✔ Rührei: Ein ungewürztes Ei ohne Pflanzenfett ungewürzt kann man hin und wieder, aber bitte nicht zu oft als kleine Leckerei dazustellen.
  • ✔ Wasser sollte immer in einer Schale mit niedrigem Rand bereit stehen.

Was darf nicht gefüttert werden?

  • ✘ Milch darf Igeln keinesfalls gegeben werden. Igel haben eine Laktoseintoleranz. Sie können also Milchzucker nicht abbauen und verwerten. Das hat Durchfall und möglicherweise sogar den Tod zur Folge.
  • ✘ Obst und Dörrobst (zB. Rosinen, Cranberries, etc.) ist für Igel reiner Füllstoff und zumeist auch noch viel zu süß.
  • ✘ Gemüse kann von Igeln wie Obst nicht verwertet werden und ist reiner Füllstoff.
  • ✘ Nüsse sind ebenfalls unnötiger Füllstoff. Die Nüsse findet man im Kot meist unverändert wieder.
  • ✘ Honig ist nicht nur unnötig, sondern enthält auch viel Zucker. Wildtierhilfen und Igelstationen müssen daher leider immer häufiger Igel mit Zahnproblemen behandeln.
  • ✘ Getreide wie Haferflocken, Weizenkleie etc. wird von Igeln ebenfalls nicht benötigt.
  • ✘ Bäckereierzeugnisse wie Semmelwürfel oder Semmelbrösel sind nicht nur unnötig, sie können auch im Magen der Igel gefährlich quellen.
  • ✘ Speck enthält viel zu viel Fett und ist oft gesalzen.
  • ✘ Knochen: Gekochte Hühnerschenkel mit Knochen, Hühnerknochen und andere Knochen benötigen Igel nicht zur Zahnreinigung. Das wird im Internet leider oft so angeführt. Im Gegenteil können Knochen zu Zahnschäden führen. Kleine Knochenstücke können außerdem verschluckt werden, was im Verdauungstrakt gefährlich werden kann.

Lebensraum

Ursprünglich lebten die dämmerungs- und nachtaktiven Igel wahrscheinlich in kleinräumigen, reich strukturierten Kulturlandschaften mit Sträuchern und allerlei Gehölzen, Böschungen und artenreichen Wiesen. Der Mensch hat die Landschaft aber derart umgestaltet und verarmt, dass Igel gezwungen waren zumindest teilweise zum Kulturfolger zu werden. Graswüsten, begradigte Gewässer mit betonierten Böschungen und riesige Monokulturen bieten Igeln keinen Lebensraum mehr.

Nun leben Igel meist in durchgrüntem Siedlungsraum, wo Nistgelegenheiten und Nahrungsangebot in Naturgärten ineinander übergehen. Leider ist es gerade hier für Igel sehr gefährlich, denn auf ihren weiten Streifzügen werden jedes Jahr unzählige Igel überfahren oder kommen durch andere Gefahren der menschlichen Zivilisation ums Leben.

Wie man Igeln ein behagliches Zuhause bereitet, beschreiben wir im Absatz »Igelfreundlicher Garten«.

Abwehrverhalten und Gefährdung

Igel haben ihr Stachelkleid als Schutzmechanismus perfektioniert und besitzen daher kein ausgeprägtes Fluchtverhalten. Das konnten wir auch bereits im Garten beobachten. Kommen wir einem Igel zu nahe, zeigt er seinen stacheligen Rücken. Wirkt das nicht sofort, sieht er sich kurz um und flieht zum nächsten Unterschlupf wo er still verharrt. Ganz nach dem Motto „Wenn ich dich nicht sehe, kannst du mich auch nicht sehen“ bleibt der Igel beispielsweise unter einem Vorsprung hocken und wartet ab. Da der Igel sich aber nicht einmal einen Meter weit entfernt hat, kann man ihn ganz leicht aufspüren. Würden wir uns zu aufdringlich nähern und versuchen, ihn anzufassen, würde er sich dann wohl auch zur Kugel zusammenrollen.

Diese lange Reaktionszeit ist für Igel leider eine große Gefahr. Gegen Fressfeinde ist das Stachelkleid ein wirksames Mittel und schnelles Fluchtverhalten daher unnötig. Unsere Katzen haben großen Respekt vor dem kleinen stacheligen Tier und bleiben ihm lieber fern. Im Straßenverkehr oder bei Herannahen eines Rasenmähers kostet vielen Igeln diese gemächliche Vorgehensweise wertvolle Minuten und somit oft das Leben.

Auf der Roten Liste werden Igel als gefährdet eingestuft. Der Bestand ist vor allem aufgrund des Verlusts seines Lebensraums rückläufig. Igel sind durch EU-Recht und Landes-Naturschutzrecht geschützt.

Ein igelfreundlicher Garten

Naturnah gestaltete Gärten sind ein idealer Lebensraum für Igel. Ein solcher Garten bietet den Igeln ausreichend Insekten als Futterquelle sowie Unterschlupf und Nistmöglichkeiten in verwilderten Gartenbereichen. Wildhecken und Naturwiesen (Blumenwiesen) sind Pflicht. Chemische Pflanzenschutzmittel, Unkrautvernichtungsmittel und Kunstdünger haben in einem Naturgarten nichts verloren. Im Gegenzug danken Igel es den Gartenbesitzern durch ihre Anwesenheit und durch das Vertilgen von Unmengen an Insekten und auch der einen oder anderen Schnecke.

Eine Hecke für das Heckenschwein

Im englischen heißen Igel „hedgehog“, also Heckenschwein. Das Schwein im Namen soll angeblich von der schweineartigen Nase des Igels herrühren. Wer jedoch schon einmal einen Igel gesehen hat, wird das so nicht bestätigen können. Unsere liebe GartenGnomin Pandea verglich die Igelnase mit einer schwarzen Olive, was ich auch viel zutreffender finde. Der erste Namensteil, die Hecke ist aber tatsächlich ein wichtiges Element im Leben eines Igels.

In Hecken aus heimischen Sträuchern finden Igel reichlich Nahrung und Nistmöglichkeiten. Außerdem sind Hecken ideale igelfreundliche Gartenbegrenzungen, da sie hier problemlos hindurchwandern können, wogegen ihnen ein Zaun den Weg für ihre ausgedehnten Wanderschaften versperrt. Holler (Holunder), Dirndl (Kornelkirsche), Heckenrosen (zB. Hagebutte), Hasel, Eberesche, Felsenbirne und andere sind ideale heimische Sträucher für eine gemischte und igelfreundliche Hecke.

Asthaufen und Steinhaufen sowie Trockenmauern mit vielen Ritzen und Spalten bieten Igeln ein reichhaltiges Insektenbuffet. In Holzhaufen und Laubhaufen finden Igel Unterschlupf und Nistmaterial. Verwilderte Ecken sind ein wahres Igelparadies!

Gefahren für Igel im Garten

Ein Naturgarten in dem alle Tiere Nahrung und ein Zuhause finden können, muss natürlich ohne Pestizide und Kunstdünger auskommen. Dennoch gibt es einige Punkte, die auch Naturgarten-Besitzern bewusst sein sollten, wenn es um Igel geht:

Auch von Schneckenkorn sollte man die Finger lassen. Komplett tabu sind Produkte mit dem Wirkstoff Methiocarb (Mesurol), da es Igel und andere Tiere direkt oder indirekt über das Fressen von getöteten Schnecken vergiftet. Metaldehyd (Limatex, Limex) ist zwar für Igel unbedenklich, es kann aber andere Tiere vergiften. Eisen-III-Phosphat (Ferramol) scheint das derzeit unbedenklichste Präparat zu sein. Dennoch sollte man zur Schneckenbekämpfung besser auf natürliche Feinde wie Vögel, Egelschnecken oder eben auch unsere lieben Igel setzen und auf die chemische Keule verzichten.

Motorsensen und Fadenmäher stellen eine große Gefahr für Igel im Garten aber auch in Parks und an anderen Orten wo Stadtgärtner solche Geräte einsetzen dar. Jährlich werden viele Igel durch Tellermäher oder Fadenmäher getötet. Wenn man auf solche Geräte nicht verzichten will oder kann, sollte man zuvor zumindest alle zu mähenden Bereiche des Gartens absuchen. Besonders an Randzonen zwischen Rasen und Hecke ist viel Achtsamkeit geboten. Auch Rasenmähroboter stellen eine Gefahr dar, da Igel nicht fliehen, sondern sich zusammenkugeln.

Laubsauger können nicht nur die Futtertiere, sondern manchmal ganze Igel einfach einsaugen. Wenn man das Laub entfernen will, sollte man es mit elastischem Laubrechen und den Händen tun. Lasst zumindest in einer Ecke des Gartens auch einen Laubhaufen liegen. Laub lässt sich auch prima als Winterschutz für Pflanzen und als Mulch für Rhododendren einsetzen. Absolut verboten ist es, Laubhaufen anzuzünden oder einfach hineinzuspringen, so lustig es auch sein mag, sich durchs Laub zu wühlen.

Jedes Jahr bedeuten Sonnwendfeuer den Tod vieler Igel, Mäuse, Insekten, Blindschleichen, Kröten, Eidechsen und Vögel, die im aufgeschichteten Holz Schutz suchen. Besonders Igel, die sich auf ihren Stachelschutz verlassen, lassen sich nicht durch Lärm vertreiben. Sie kugeln sich in ihrem Nest einfach zusammen. Mit der richtigen Anordnung des Sonnwendfeuer-Haufens kann man angeblich viele Tiere abhalten, Schutz im Haufen zu suchen und es wird auch bereits versucht, die tierischen Bewohner mit Ultraschallgeräten zu vertreiben. Wer wirklich vermeiden will, mit dem Sonnwendfeuer auch zahlreiche Tiere zu opfern, sollte den Haufen kurz vor dem Feuer neu aufschichten, oder das große Feuer einfach bleiben lassen und stattdessen einfach ein kleines Lagerfeuer entfachen.

Offene Schächte (Lichtschächte), Baugruben und andere steilwandigen Gruben oder Abstufungen im Garten sollten ausreichend abgesperrt oder abgedeckt werden, damit  Igel und andere Tiere nicht hineinfallen können. Zur Not sollte man zumindest für alle überlebenden Tiere eine Ausstiegshilfe anbieten. Dasselbe gilt übrigens auch für Swimming-Pools, Gartenteiche mit rutschiger oder steiler Kante und Zisternenschächte. Keine optimale Abdeckung von Schächten (zB. von Lichtschächten) sind Metallgitter. Igelstationen beklagen jedes Jahr, dass sich zahlreiche Igel die Beine beim Überqueren solcher Gitter-Fallen brechen. Lichtschächte sollten daher besser mit Abdeckvliesen gesichert werden.

Hindernisse wie hohe Stufen, Bordsteine, Mauern oder Zäune die bis zum Boden reichen, sind für Igel unüberwindbare Begrenzungen. Zu großmaschige Drahtzäume können für Igel zur Todesfalle werden, da sie sich durch die Maschen zwängen und dort stecken bleiben. Die kleinen Stacheltiere durchwandern üblicherweise ein Territorium, das im Schnitt eine Fläche von 20 Hektar umfasst! Ein Garten alleine ist da nicht genug.

Netze, Gitter, Plastikfolien und Drahtgeflechte sind für Igel ein Risiko, da sie sich mit ihrem Stachelkleid sehr leicht darin verfangen und ohne fremde Hilfe nicht mehr herauskommen. Wer also seine Obststräucher mit Vogelschutznetzen bis zum Boden abdeckt, läuft auch Gefahr, dass er damit Igel fängt. Leider geraten viele Igel, die sich verheddert haben in Panik und strangulieren sich schlussendlich selbst, bevor sie gefunden werden. Alle Netze müssen daher straff gespannt werden. Die überschüssigen Netzenden sind feinsäuberlich aufzurollen und zu befestigen. Unbenutzte Drahtgeflechte, Gewebe, Netze und Folien dürfen daher ebenfalls nicht im Garten liegen gelassen oder gelagert werden.

Katzenschreckgeräte, Marderabwehr und Wühlmausbekämpfung, die auf Tönen im Ultraschallbereich basieren sind auch für Igel und viele andere Tiere zu vernehmen. Sogar junge Menschen und manche Erwachsene können die Töne dieser Geräte hören. Auch wir GartenGnome leiden oft unter den hohen Pfeiftönen, die solche Geräte von sich geben. Wie unangenehm müssen solche Geräusche dann erst für Igel sein, die ein ungemein feines Gehör besitzen? Lasst also bitte die Finger von Ultraschall-Abwehrgeräten jeder Art.