Vor etwa zwei Wochen entdeckten wir unzählige kleine weiße Flöckchen, die den Stamm einer unserer Tannen im Garten überzogen. Der sonst dunkle Stamm sah aus einer gewissen Entfernung fast durchgehend weiß aus. Als wir näher hinsahen entdeckten wir neben den vielen weißen Flöckchen auch die kleinen Läuse dazwischen sowie unzählige rot gefärbte Eigelege. An manchen Stellen floss bereits dickflüssiges Harz aus dem verletzten Holz. Die Tannenstammlaus hat zugeschlagen.

Tannenstammläuse sind nur in der Jugendform fähig, sich selbstständig zu bewegen. Sobald die Läuse mit der Nahrungsaufnahme beginnt, werden die Tiere bewegungsunfähig. In diesem ersten Larvenstadium überwintern die Tiere auch und fahren im nächsten Jahr fort. Tannenstammläuse sind ähnlich wie Wollläuse mit feinen weißen Wachsfäden überzogen, die diese wie kleine Wollknäuel erscheinen lassen.

Die Tiere arbeiten sich mit ihren Mundwerkzeuge an das Gewebe des Baumes (Parenchym) vor und saugen an den Pflanzensäften. Dadurch schädigen die Tiere den Baum und bereiten diesen auf das Eindringen anderer Schädlinge vor. Jedes Weibchen ist in der Lage etwa 200 Eier zu legen. Die Vermehrung kann dabei auch asexuell erfolgen, sollten keine Männchen verfügbar sein. Dementsprechend rasch vermehren sich die Läuse.

Tannenstammläuse

Tannenstammläuse und deren Gelege, die über den gesamten Stamm verteilt sitzen.

Hört ihr die Marienkäfer rülpsen?

Doch nicht nur Läuse fanden wir zum Glück auf dem Stamm, sondern auch Nützlinge. Hätte man den Baumstamm mit Quadraten von einer Seitelänge von etwa 10 Zentimetern überzogen, dann hätte man wohl in jedem dieser Quadrate mindestens einen Nützling beim Fressen vorgefunden. Marienkäfer, Marienkäferlarven sowie Roten Samtmilben waren dabei besonders häufig. Etwas höher, wo sich Vögel auf den Ästen niederlassen konnten, fand man bereits keine Spuren der Schädlinge mehr.

Schwarzer Zweipunktmarienkäfer

Schwarzer Zweipunktmarienkäfer direkt an der Futterquelle.

Die Marienkäfer konnte man fast schon rülpsen hören. In unserem Fall handelte es sich um unsere alten Bekannten die Zweipunkt-Marienkäfer in ihrer schwarzen Variante. Da die schwarzen Zweipunkt-Marienkäfer einen höheren Stoffwechsel und damit auch größeren Hunger haben, machten sie den Läusen gleich nochmal so schnell den Garaus. Noch viel aktiver zeigten sich die Larven der Marienkäfer, die einfach langsam vorwärts krochen und dabei unentwegt fraßen. Ein Schlaraffenland für Marienkäfer!

Marienkäferlarve

Marienkäferlarve beim Vertilgen eines Tannenstammlaus-Geleges.

Die Roten Samtmilben können zwar recht flott unterwegs sein, doch auch sie waren bei diesem Überangebot an Tannenstammläusen bzw. deren Eier bereits sehr träge.

Rote Samtmilbe

Rote Samtmilbe umgeben von Läusen und Gelegen.

So nützlich Ameisen auch sind, so hegen sie leider dennoch eine Vorliebe für die süßen Ausscheidungen (Honigtau) von Läusen aller Art. Das scheint auch auf Tannenstammläuse zuzutreffen, denn auf dem Baumstamm fanden sich auch zahlreiche Ameisen. Die versuchten leider auch, die Nützlinge von ihren wolligen kleinen Laus-Schäfchen fern zu halten. Ich beobachtete beispielsweise, wie sich eine der Ameisen herzhaft in den Rücken einer Samtmilbe verbiss.

Ameise

Ameisen verteidigen die Läuse.

Der Naturgarten macht sich bezahlt

Wir mussten nichts unternehmen, als einfach nur zuzusehen, wie die Nützlinge fraßen. Nach etwa eineinhalb Wochen waren nur noch die weißen Wachsfäden der Tannenstammläuse übrig, die Nützlinge waren weitergezogen. Wir werden nun abwarten und sehen, ob das Problem damit im wahrsten Sinne des Wortes »gegessen« ist. Für uns bedeutet diese Beobachtung, dass unser Naturgarten tatsächlich funktioniert und allen möglichen Arten von Nützlingen eine Heimat bietet.

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