Jedes Lebewesen benötigt Nahrung. Pflanzen, die großteils am Beginn der Nahrungskette stehen, ernĂ€hren sich ĂŒberwiegend von den Grundelementen und wandeln diese in kompliziertere MolekĂŒle um. Ohne Pflanzen wĂ€ren wir oft auf Chemie-Labors angewiesen um Nahrungsmittel herzustellen, die unser Körper verarbeiten kann.

Wenn wir die Pflanzen in unserem Garten dĂŒngen, dann glauben wir oft, dass wir etwas gutes tun. Wir ĂŒbertreiben es mit dem DĂŒngen sehr gerne und verderben Ernte und Böden mit einem Überschuss an NĂ€hrstoffen und sonstigen Bestandteilen der DĂŒngemittel. In vielen FĂ€llen bietet ein gesunder Boden alleine genĂŒgend NĂ€hrstoffe fĂŒr den Garten und als DĂŒnger sollten ausschließlich die Garten-„AbfĂ€lle“ reichen. Idealerweise kann man so sogar gĂ€nzlich auf tierische Ausscheidungen als DĂŒngemittel verzichten.

KunstdĂŒnger aus der Chemie-Fabrik sollten im Garten ohnehin ein Tabu sein! In diesem Artikel wollen wir die wichtigsten NĂ€hrstoffe der Pflanzen kurz beschreiben und auch die Konsequenzen von ĂŒbermĂ€ĂŸigem DĂŒngen oder NĂ€hrstoffmangel erklĂ€ren. Außerdem beschreiben wir, in welchen DĂŒngemitteln welche NĂ€hrstoffe enthalten sind.

Inhalt dieses Artikels

NĂ€hrstoff- und Wasseraufnahme

Je nach Pflanzenart werden die benötigten NĂ€hrstoffe aus dem Boden, dem Wasser oder der Luft entnommen. Pflanzen nehmen dabei meist einfache anorganische Verbindungen wie Wasser (H2O), Kohlendioxid (CO2), Nitrat (NO3), Phosphat (PO43-), Kalium (K+), Natrium (Na+), Schwefel (S2), Magnesium (Mg2+), etc. Wir wollen hier aber keine Abhandlung fĂŒr Chemie-Studenten verfassen, sondern Garten-Begeisterten die BedĂŒrfnisse ihrer Pflanzen nĂ€her bringen. Daher halten wir die ErklĂ€rungen etwas einfacher:

Illustration: NĂ€hrstoffe fĂŒr Pflanzen

KernnÀhrstoffe

Licht und Photosynthese

In den BlĂ€ttern der Pflanzen findet man einen ganz besonderen Stoff: Chlorophyll. Dieser grĂŒne Farbstoff verleiht den BlĂ€ttern und Pflanzen nicht nur ihre satte grĂŒne Farbe, sondern ist auch dafĂŒr verantwortlich, dass Pflanzen im Stande sind mit der Hilfe des Sonnenlichts Kohlendioxid, Wasser und Salze in Traubenzucker zu wandeln. Als Abfallprodukt scheidet die Pflanze dann auch Sauerstoff aus. Solange Pflanzen ausreichend Licht bekommen, wachsen sie gleichförmig und regelmĂ€ĂŸig.

Bei Licht-Mangel jedoch wachsen Pflanzen auf der verzweifelten Suche nach mehr Licht viel rascher – die Pflanze „vergeilt“. WĂ€hrend die Pflanze ein schnelles LĂ€ngenwachstum anstrebt, werden Wurzelwachstum, Produktion von Chlorophyl und Blattwachstum zurĂŒckgestellt. Auch die Struktur der zu rasch gewachsenen Pflanzenteile ist nicht besonders stabil gebaut. Solche Pflanzen werden oftmals lange krĂ€nklich bleiben und lange fĂŒr die Regeneration benötigen. Aus diesem Grund sollte man nie zu frĂŒh mit der Vorzucht von GemĂŒse wie zB. von Tomaten (Paradeisern) beginnen.

Bei einseitigem Lichtmangel, zB. wenn eine Seite der Pflanze durch eine andere, grĂ¶ĂŸere Pflanze beschattet wird, wird die Pflanze versuchen, vom ĂŒbergroßen Schattenspender weg wachsen. Man sollte also immer fĂŒr ausreichend Abstand und fĂŒr eine angemessene Lage sorgen, damit die Pflanzen im Garten immer gut mit Licht versorgt werden.

Luft – Kohlenstoff, Sauerstoff (CO2 / O2)

Auch Pflanzen mĂŒssen atmen. An Land wachsende Pflanzen haben an der Blattunterseite kleine Spaltöffnungen (Stomate), ĂŒber die sie Gase und Feuchtigkeit von Außen aufnehmen. WĂ€hrend der Photosynthese benötigt die Pflanze Kohlendioxid aus der Luft und gibt Sauerstoff ab (Lichtamung). Bei Dunkelheit benötigt die Pflanze Sauerstoff und gibt Kohlendioxid ab.

Wasser – Wasserstoff, Sauerstoff (H2O)

Wie wir alle wissen, benötigen Lebewesen Wasser zum Leben – ohne Wasser wĂŒrden Pflanzen vertrocknen. Dabei wird Wasser je nach Art der Pflanze aus dem Boden, aus der Luft oder aus Regentropfen auf den OberflĂ€chen der Pflanze entnommen. Bei Wasserpflanzen kann das Wasser rundum in die Pflanze aufgenommen werden. Pflanzen an Land nehmen ĂŒblicherweise Wasser ĂŒber ihre Wurzelhaare auf. Das Wasser wird durch die Sprossachse ĂŒber LeiterbĂŒndel nach Oben in die BlĂ€tter, BlĂŒten und FrĂŒchte transportiert. Mit dem Wasser werden auch gelöste NĂ€hrstoffe aufgenommen. Über kleine Spaltöffnungen in den BlĂ€ttern verdunstet das Wasser schließlich wieder. Das Wasser dient als Transportmittel und Lösungsmittel fĂŒr NĂ€hrstoffe und es spielt auch in der Photosynthese eine wichtige Rolle.

Bei Wasser-Mangel sinkt der Zellinnendruck (Turgor) und die Pflanze lĂ€sst die BlĂ€tter hĂ€ngen und beginnt bald darauf zu welken. Da in der Luft ĂŒblicherweise nur geringe Mengen an CO2 enthalten sind, werden die Spaltöffnungen wĂ€hrend der Photosynthese weit geöffnet (siehe Absatz »Luft«). Je nach Umgebungsfeuchtigkeit kann die Pflanze in dieser Zeit durch Verdunstung (Transpiration) große Wassermengen verlieren. Kommt nicht ausreichend Wasser-Nachschub von den Wurzeln, so beginnt die Pflanze sehr rasch schlaff zu werden und zu welken. Um Zimmerpflanzen also einen hohen Wasserverlust zu ersparen, sollte fĂŒr eine ausreichende Luftfeuchtigkeit gesorgt werden. Eine Ausnahme bilden zB. Kakteen und andere Pflanzen, die in sehr trockenen Gebieten beheimatet sind, da sie auf diese Bedingungen besser vorbereitet sind.

Auch Wasser-Überschuss kann es geben, wenn zB. das Gießwasser im Topf stehen bleibt. Wassermangel wird ĂŒblicherweise eher vertragen, als WasserĂŒberschuss, da durch stehendes Wasser im Topf bzw. durch ĂŒbersĂ€ttigte Erde die Wurzeln an Sauerstoffmangel leiden und verfaulen können. Infolge können die Wurzeln immer weniger Wasser und NĂ€hrstoffe aufnehmen und die Pflanze vertrocknet und stirbt ab.

Stickstoff (N)

Stickstoff wird von Pflanzen vor allem fĂŒr das Wachstum und die Bildung von Blattmasse und BlattgrĂŒn benötigt. Ein einfaches System zur Einteilung der Pflanzen nach ihrem Stickstoffbedarf ist die Kategorisierung in Starkzehrer, Mittelzehrer und Schwachzehrer.

Ein Ăœberschuss zeigt sich durch besonders dunkelgrĂŒne Pflanzen, lange, dĂŒnne und schwache Triebe und schwammiges Pflanzengewebe. Die Pflanzen sind wesentlich anfĂ€lliger fĂŒr Krankheiten und SchĂ€dlingsbefall. Zudem zeichnen sich solche Pflanzen und FrĂŒchte durch schlechtere LagerfĂ€higkeit aus.

Ein Mangel an Stickstoff in den entscheidenden vegetativen Phase kommt seltener vor, als eine Überversorgung. Sie zeigt sich in Form von schwachem Wachstum (ZwergwĂŒchsigkeit) und kleinen BlĂ€ttern und schlechter Bewurzelung. Die BlĂ€tter werden gleichmĂ€ĂŸig hell bis gelb, beginnend bei den Ă€lteren BlĂ€ttern. Auch die FrĂŒchte solcher Unterversorgten Pflanzen fallen kleiner aus. Infolge der Stickstoff-Unterversorgung ist auch die Aufnahme anderer Stoffe wie Phosphor, Kali, Magnesium und anderen Spurenelementen eingeschrĂ€nkt.

Enthalten ist Stickstoff zum Beispiel in KompostBrennnesseljauche, Laub, HornspĂ€hnen, Hornmehl, Kot von Pflanzenfressern.

Phosphor (P)

Phosphor ist wichtig fĂŒr die Bildung von BlĂŒten und FrĂŒchten, fĂŒrs Wachstum von Keimwurzeln sowie von Samen und Chlorophyl. Enthalten ist Phosphor zum Beispiel in Laub und GeflĂŒgelmist. Ein Ăœberschuss zeigt sich in Wachstumsstörungen.

Ein Mangel fĂŒhrt zu schwachem Wachstum, schwachem Wurzelwachstum (Wurzeln oft rötlich verfĂ€rbt), kleinen BlĂŒten (mangelhafte BlĂŒtenbildung) und BlĂ€ttern sowie BlattspitzendĂŒrre. Starrtracht: Die BlĂ€tter verfĂ€rben sich auf der Unterseite blaugrĂŒn bis violett, die Oberseite verfĂ€rbt sich brĂ€unlich, blĂ€ulich oder in „dreckigem“ GrĂŒn. Es hat sich leider gezeigt, dass in vielen GĂ€rten der Rasen meist stark mit Phosphor aus KunstdĂŒngern ĂŒberdĂŒngt ist, aber die meisten anderen NĂ€hrstoffe fehlen. Das kann beispielsweise mit Blaukorn bzw. GrĂŒnkorn leicht passieren. Besonders Laien schaden den Pflanzen aber auch dem Boden durch falsche DĂŒngung bzw. ÜberdĂŒngung.

Enthalten sind Phosphate zum Beispiel in Kompost, Brennnesseljauche, Beinwelljauche, Hornmehl oder HornspĂ€nen.

HauptnÀhrstoffe

Kalium (K)

Kalium ist wichtig fĂŒr die Regulierung des Wasserhaushaltes, der Festigung des Zellgewebes, der Erhöhung der FrosthĂ€rte (WinterhĂ€rte) und der Aromabildung von Obst und GemĂŒse. Ebenfalls fördert Kalium die Wurzel- und Knollenbildung sowie die Lagerhaltbarkeit, was besonders beispielsweise fĂŒr Karotten (Möhren) und Knollensellerie wichtig ist.

Einen Mangel erkennt man an, trotz ausreichendem Gießen, schnell welkenden oder schwach wachsenden Pflanzen. Ältere BlĂ€tter werden vom Rand her gelb und trocknen. Geschmack und Haltbarkeit von Obst und GemĂŒse sind verringert. Platz- und Risswunden bei Radieschen, Kohlrabi und Paradeisern (Tomaten) können leichter auftreten. Bei ObstbĂ€umen rollen sich die BlĂ€tter nach oben, die BlattrĂ€nder sind trocken und braun.

Ein Überschuss macht sich durch gehemmtes Wachstum bemerkbar und kann Wurzelverbrennungen und das Absterben der Pflanzen bewirken.

Enthalten ist Kalium in Kompost, Gesteinsmehl, Brennnesseljauche, Beinwelljauche, Farnkrautjauche, AlgendĂŒnger, Rindermist, GeflĂŒgelmist sowie Holzasche und Buchenholzkohle.

Kalzium (Ca)

Kalzium hebt den pH-Wert des Boden (es entsĂ€uert den Boden) und wirkt sich positiv auf die DurchlĂŒftung und KrĂŒmeligkeit der Erde aus. Auch die VerfĂŒgbarkeit anderer NĂ€hrstoffe wird durch Kalzium verbessert. Calcium steuert außerdem die Spaltöffnungen der BlĂ€tter, festigt die ZellwĂ€nde (das Pflanzengewebe) und regt Zellteilung und Bodenleben an.

Einen Ăœberschuss an Calcium erkennt man unter anderem an Blattchlorose. Zuviel Kalzuim (zum Beispiel im Gießwasser) hĂ€lt Eisen, Kali, Kupfer, Bor, Zink, Magnesium und Phosphor fest. Die BlĂ€tter werden mit der Zeit gelblich-grĂŒn. Das lĂ€sst sich oft bei Topfpflanzen beobachten. Besonders bei Azaleeen, ZitrusgewĂ€chsen, Kamelien und Gardenien kann man das gelb-Werden der BlĂ€tter sehen, wenn das Gießwasser zu kalkhaltig ist. Ein Überschuss an Kalzium kann auch zum Absterben junger Pflanzenteile, kĂŒmmernden BlĂŒtenknospen und klein bleibenden Wurzeln fĂŒhren.

Enthalten ist Kalzium zum Beispiel in Kompost, Brennnesseljauche, Beinwelljauche, Eierschalen oder Holzasche (Buchenholzkohle).

Magnesium (Mg)

Magnesium ist der wichtigste Baustein der BlattgrĂŒnbildung (Chlorophyll), der Regulierung des gesamten Wasserhaushaltes der Pflanze und ist zur Bildung von Eiweiß notwendig.

Einen Mangel erkennt man an klein bleibenden FrĂŒchten. Ältere BlĂ€tter werden fleckig und hell bis gelblich wĂ€hrend die Blattadern zunĂ€chst dunkel und grĂŒn bleiben. Die BlĂ€tter können vom Rand her braun werden und eintrocknen. Es kommt zu verminderter Wurzelbildung. Magnesiummangel kann man oft bei Koniferen beobachten zB. bei LĂ€rche, Kiefer oder Fichte. Nadelgehölze bekommen gelbe oder braune Nadeln oder sogar braune Spitzen. Am Ende fallen die betroffenen Nadeln ab. Das kommt oft auf schweren, lehmigen und kalkarmen Böden oder bei unausgewogener DĂŒngung vor.

Eine ÜberdĂŒngung von Magnesium kann zu einem Calciummangel fĂŒhren.

Enthalten ist Magnesium zum Beispiel in Kompost, Brennnesseljauche, Beinwelljauche, Bittersalz, Algenkalk und teilweise in Steinmehlen sowie in Holzasche (Buchenholzkohle).

Schwefel (S)

Schwefel kommt in der Natur in den verschiedensten Formen vor und auch die Emissionen von Industrie und Verkehr setzen Schwefel frei. Üblicherweise sind Pflanzen somit immer ausreichend mit Schwefel versorgt. In vielen KunstdĂŒngern, aber auch zB. in HornspĂ€nen ist reichlich Schwefel enthalten. Bei einer ÜberdĂŒngung kann es schnell zu einer ÜbersĂ€uerung des Bodens fĂŒhren. In den seltenen FĂ€llen, dass eine Pflanze Schwefel-Mangel erleidet, erkennt man dies an dĂŒnnen und holzigen StĂ€ngeln sowie jungen BlĂ€ttern mit hellgelber Farbe.

Enthalten ist Schwefel in zahlreichen DĂŒngern, ganz gleich ob diese nun aus der Natur oder der Chemie-Fabrik stammen. Besonders viel Schwefel findet sich zum Beispiel in HornspĂ€nen, Brennnesseljauche sowie Beinwelljauche,.

SpurennÀhrstoffe

Spurenelemente bzw. SpurennĂ€hrstoffe wie Eisen, Kupfer, Bor, Zink, Mangan und MolybdĂ€n werden lediglich in geringen Mengen benötigt. Daneben gibt es auch noch weitere NĂ€hrstoffe, von denen man zwar weiß, dass sie dem Pflanzenwachstum förderlich sind, wie zum Beispiel Aluminium, Natrium, Chlor, Silizium und Kobalt. Oft werden diese Stoffe fĂŒr entbehrlich gehalten, doch genau genommen kann die Bedeutung dieser Stoffe fĂŒr Pflanzen wissenschaftlich noch nicht eindeutig erklĂ€rt werden.

In einem gesunden Boden kommen allerhand dieser Elemente und noch weitere vor und es ist noch ausreichend erforscht, welche Stoffe Pflanzen in welcher Weise verarbeiten bzw. wofĂŒr manche dieser Stoffe benötigt werden. Wir halten daher die Zucht von Pflanzen auf NĂ€hrlösungen oder auch das DĂŒngen zB. mit NPK-KunstdĂŒngern fĂŒr kurzsichtig. Pflanzen können ihren optimalen NĂ€hrstoffgehalt nur dann aufbauen, wenn auch sie selbst mit einer ausreichenden und vielfĂ€ltigen NĂ€hrstoff-Basis versorgt wurden.

Böden mit alkalischem oder sehr saurem pH-Wert können zu einem Mangel an SpurennĂ€hrstoffen bei Pflanzen fĂŒhren. Ebenso gibt es auch Pflanzen mit einem erhöhten Bedarf an Spurenelementen.

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