Stauden – ein Begriff den jeder kennt und von dem doch viele nicht wissen, was er bedeutet. Auch die Definition aus dem Lexikon ist nicht gerade einfach und schnell erklärt: Stauden sind mehrjährige, ausdauernde und krautige Pflanzen. Ihre oberirdischen Pflanzenteile verholzen im Gegensatz zu Sträuchern oder Bäumen nicht und sterben daher üblicherweise nach jeder Vegetationsperiode ab. Anders als andere krautige Pflanzen wie Einjährige bzw. Zweijährige überdauern Stauden aber mehrere Jahre und bilden jedes Jahr erneut Blüten und Früchte aus.

Das wird auch zu Beginn des Buches erklärt, das ich diesmal vorstellen will. Im Buch »Stauden im Garten – Gestaltungsideen für immerblühende Beete« von Bettina Rehm-Wolters und Markus Zeiler wurde diese Information lediglich in einen weitaus blumiger formulierten Text verpackt. Das hier vorgestellte Buch ist nicht einfach zu beschreiben und kann ohne weiteres Verständnis der Beweggründe auch schnell falsch verstanden werden. Ich habe recherchiert und mich durch Buchbewertungen im Netz gewühlt um mir ein Bild über das Buch »Stauden im Garten« zu machen.

Buch-Cover: Stauden im Garten - Callwey Verlag

Stauden im Garten – Gestaltungsideen für immerblühende Beete

Ein Gartenbuch mit vielen Facetten: Ich habe mir Anfangs schwer getan, dieses Buch einzuordnen. Der Schutzumschlag lädt mit einem ganzseitigem Blütenfoto, in tiefem Violett und Rosa gehalten, zum Schmökern ein. Die Gestaltung des Inhaltes vom etwas unübersichtlichen Inhaltsverzeichnis über die Titelei mit meiner Meinung nach zu großer Laufweite bis hin zur Verwendung von Schlagschatten-Effekten ist aber Geschmackssache. Auch die Wahl der Bilder irritiert zu Beginn, da viele der Fotos sehr verwirrende und oft unharmonisch anmutende Gartenlandschaften zeigen. Das etwas ungewohnte Gartenbild das im Buch dargestellt wird, hat jedoch System und wird bewusst gezeigt: „The New German Style“ ist mitunter Thema des Werkes.

Buch-Doppelseite: Stauden im Garten - Callwey-Verlag

Detailliert gehen die Autoren auf Päonien, Lilien, Taglilien, Hosta, Iris und Gräser ein. Diese können als Leit- sowie Begleitstauden dienen. Neben den diversen Inhalten finden sich stets auch kurze Texte zum „Who is Who“ der vorwiegend deutschen Stauden-Gärtner. Hier werden unter anderem Karl Förster, Georg Arends, Piet Oudolf, Dieter Gaissmeyer, Anja Maubach, Aglaja von Rumohr und einige mehr vorgestellt. Von der Vermehrung über die Pflege und die Gestaltung bishin zu Krankheiten und Schädlingen deckt das Buch zahlreiche Aspekte der Staudengärtnerei ab.

Buch-Seite: Feuer und Flamme - Buch: Stauden im Garten - Callwey Verlag

The New German Garden Style

Nicht allzu bekannt und durchaus umstritten ist der sogenannte „New German Garden Style“ (Der neue deutsche Garten-Stil) in der Gartengestaltung, dem sich das Buch manchmal mehr und manchmal weniger widmet. Auch wenn durchaus verschiedene Stile wie auf Cottage Gärten, Mixed Border, Kiesgarten, Formaler Staudengarten, etc. eingegangen wird, so ist der „New German Style“ meiner Meinung nach der forcierte Stil. Das wird bereits durch ein eigenes Siegel auf dem Einband klar gemacht. Trotzdem: Erst auf Seite 130 widmen die Autoren diesem Gartenstil mehrere Seiten. Wer mit dem „New German Style“ noch nicht vertraut ist und das Buch und besonders viele der Fotos besser verstehen möchte, sollte gerade dieses Kapitel lesen!

Kapitel über New German Garden Style im Buch "Stauden im Garten"

Der „New German Style“ wird in diesem Buch des Callwey-Verlags als neuer Gartenstil bezeichnet. Ein Naturgarten soll zumindest aussehen, als wäre er natürlich entstanden, weshalb Pflanzen hier nicht nach Größe, Form oder Farbe gruppiert oder gereiht werden. Der klassische Naturgarten beschränkt sich zudem auf einheimische Pflanzen. Beim „New German Style“ handelt es sich laut Buch um einen naturalistischen Gestaltungsstil, der sich jedoch entgegen der Naturgartenbewegung der 1980er Jahre nicht alleine auf einheimische Pflanzen beschränkt.

Bilderseite: Stauden im Garten - Callwey Verlag

Autoren und Herausgeber

Die Landschaftsarchitektin Bettina Rehm-Wolters studierte an der Fachhochschule Osnabrück Landschaftspflege. Bis 2009 war sie Redakteurin bei der Gartenzeitschrift „Mein schöner Garten“, wo sie unter Anderem für das Ressort „Stauden“ zuständig war. Seit 2010 ist sie freiberufliche Gartenjournalistin. 2011 wurde ihr Buch „Ein Garten voller Rosen“ mit dem 3. Preis in der Kategorie „Bester Ratgeber“ beim Gartenbuchpreis 2011 ausgezeichnet.

Markus Zeiler machte in Pfullingen bei Reutlingen eine Ausbildung zum Gärtner und studierte bis 2000 Landschaftspflege an der FH Nürtingen. Seit 2000 arbeitet er als Park- und Gartenplaner auf der Insel Mainau. Seit 2007 ist er verantwortlicher Parkleiter auf der Blumeninsel im Bodensee. Markus Zeiler zählt zusammen mit seinen Mitarbeitern zu den Begründern des in diesem Buch vorgestellten „New German Garden Style“.

Step-by-Step Bilder-Erklärung im Buch "Stauden im Garten"

Die Gesellschaft der Staudenfreunde e.V. (GdS) verzeichnet laut Wikipedia etwa 3.400 Mitglieder (davon 95% aus Deutschland) und ist in mehrere Regionalgruppen sowie Fachgruppen unterteilt. Erwähnenswert ist die Gesellschaft der Staudenfreunde, da sie zum einen als Herausgeber fungiert und zum anderen auch gleich ein ganzes Kapitel im Buch erhielt.

Mein Fazit

Im Netz wird teils von einem neuen Standardwerk der Staudengärtnerei gesprochen. Ob man tatsächlich so weit gehen kann wage ich zu bezweifeln, besonders weil das Buch eher als Bildband, denn als Nachschlagewerk gestaltet wurde. Abgesehen von der meiner Meinung nach etwas unvorteilhaften Gestaltung sind die Inhalte aber informativ und vielseitig. Wer an die Informationen gelangen will, sollte sich aber auf jeden Fall einige ruhige Stunden zum Durchlesen gönnen, denn die Informationen sind in langatmige Texte verpackt, die sich kaum zum Überfliegen eignen. Das können auch die teils vorhandenen Infoboxen nicht wett machen.

Ein weiterer, sehr subjektiver Punkt ist meine Meinung zur deutschen oder österreichischen Gartenszene bzw. der hiesigen Gartengestaltung. Als absoluter Fan der britischen und asiatischen Gartenkultur erscheint mir Gartengestaltung hierzulande oft als dilettantisch und unrund. Ähnlich kommt mir das Konzept des „New German Garden Style“ vor. Ich lasse mich aber wie immer gerne vom Gegenteil überzeugen und werde ab jetzt ein Auge für diese Form der Gartengestaltung haben.

Stauden im Garten – Gestaltungsideen für immerblühende Beete
Bettina Rehm-Wolters und Markus Zeiler
Callwey Verlag
ISBN: 978-3-7667-1866-2

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