Wir haben uns vorletzten Samstag (31. März) auf den Weg nach Wels gemacht um beim 20jährigen Jubiläum der laut Veranstalter „schönsten Gartenmesse Österreichs“ dabei zu sein. Der Presserummel hatte uns schon früh erreicht und neugierig gemacht. Eigens für die Messe präsentierte man die Jubiläumsrose »Blühendes Österreich«, Stevia (Süßkraut) war ebenfalls Thema und die Balkonblume des Jahres 2012, die Pelagonie »Flamenco« wurde vorgestellt.

Ich war schon des öfteren auf Messen und habe mir deshalb eigentlich geschworen, keine mehr zu besuchen. Zu viele Menschen, keinerlei Einfallsreichtum, aufdringliche Verkäufer und wunde Füße waren bisher das Fazit. Bisher war ich aber auch noch nie auf einer Garten-Messe und so wagte ich zu hoffen.

Wo gehts hier zur Gartenmesse?

Da ich mein GartenGnom-Shirt offen trug und damit meine Beweggründe für den Messebesuch offensichtlich waren, wurde ich öfters angesprochen. Die Fragen bezogen sich aber nicht auf den Garten-Blog, sondern auf den Weg zur Gartenmesse. Diese war nämlich für so manchen gut versteckt oder auch nur schwer erreichbar.

Nach dem Passieren der zwei Karten-Kontrolleure, wo sich schonmal eine sehr lange Schlange bildete, breitete sich vor dem Besucher ein endlos langer, schmuckloser Gang aus. Hier bekamen die ersten Gartenbegeisterten Senioren, die nicht mehr so gut zu Fuß waren, die ersten Probleme. Als nächstes galt es die Caravan-Messehalle, sowie die Tourismus-Messehalle zu durchqueren. Hatte man sich durch überfüllte Gänge mit diversen Gerüchen von intensiv riechendem Käse bis Alkoholdunst oder Kräuterkissen gewurstelt, empfing einen eine trostlose Mauer mit versperrten Toren am anderen Ende der Halle. Eine Ausschilderung der Gartenmesse suchte man vergeblich.

Hatte man schließlich den richtigen Ausgang entdeckt und die schwer schließenden Türen aufgestemmt, so landete man auf einer Straße zwischen zwei Messehallen. Gegenüber empfing die Besucher gleich ein Marktstand, von dem ein Marktschreier aus seine Gemüsehobel feil bot (ich dachte, sowas gibts nur beim Teleshopping und im Kaufhaus). Linksum ging es nun weiter zur Gartenmesse, vorbei an Marktschreiern zu Fensterputzmitteln und anderen Produkten, die mit Garten, Tourismus oder Caravan nicht viel zu tun haben. Nachdem man auch noch eine Eisenbahnbrücke unterquert hatte, zeigten sich schließlich die ersten Freiluft-Stände der Garten-Messe.

Inzwischen waren wir auf der anderen Seite des Messegeländes gelandet. Wir und sicherlich auch andere Besucher haben sich sicherlich gewünscht, dass es auch auf diesem Ende Parkplätze und Eingang gegeben hätte.

Tourismus, Caravan, Bierland und Garten – Ja, was denn nun?

Die Messe in Wels trägt den irreführenden Namen »Blühendes Österreich«, obwohl sich nur ein Teil der Messe um Garten und Pflanzen dreht. Es ist ja in Ordnung, dass mehrere Messen gleichzeitig den verfügbaren Raum des Messegeländes nutzen, doch nicht in Ordnung ist, dass Messebesucher gezwungen werden, auch die anderen Messen zu durchwandern, indem der einzig mögliche Weg durch diese hindurch führt. Parkplätze in der Nähe der besuchten Messe wären nicht verkehrt, besonders da viele ältere Menschen die Gartenmesse besuchten. Wenigstens Behindertenparkplätze scheint es laut Plan an diesem Ende des Messegeländes zu geben.

Kreuz und Quer durch die Gartenmesse

Für uns GartenGnome war alleine die Gartenmesse interessant, weshalb wir uns auch nur in diesem Teil der Messe aufhielten. Im Freigelände sprachen wir mit Händlern und Herstellern von Hochbeeten, Glashäusern und kauften Blüh- und Nutzpflanzen ein. Innen gliederte sich die Gartenmesse in sechs Säle. Immer wieder wurde man in unregelmäßigen Abständen mit Werbebotschaften beschallt, die man jedoch aufgrund der üblen Akkustik selten verstand. Besonders lästig war eine Werbebotschaft, bei der eine Frau voller Innbrunst scheinbar das Kinderlied »Hänsel und Gretel« mehrmals über den Tag verteilt sang.

Messetreiben auf der "Blühendes Österreich" 2012

Im Eingangsbereich fanden sich eine Bühne sowie zahlreiche Pflanzenstände. Wir informierten uns zum Thema Zitruspflanzen, kauften ein paar Orchideen, sahen uns im Messestand eines Verlags um, schlenderten durch das Chilipflänzchen-Angebot des Vereins »ARCHE NOAH« und sahen uns Bonsai und andere Pflanzen an. Auf der Bühne sprach unter anderem unser allgegenwärtiger Garten-Guru Karl Ploberger, aber auch Floristinnen wurden von einem Sprecher vorgeführt. Besonders faszinierend – und unnötig empfanden wir die Modeschau. Die Mode war alles andere als Garten-tauglich und hatte somit unserer Meinung nach auf der Messe nichts verloren. Auf einer Teilebene über dem Geschehen der Halle befindet sich ein Restaurant, von wo aus man das Treiben gut beobachten konnte.

Vorträge auf der Messe Blühendes Österreich in Wels 2012

Karl Ploberger auf der Messe "Blühendes Österreich" in Wels (2012)

Karl Ploberger

In zwei weiteren Hallen wechselten sich Hersteller und Händler von Gartenprodukten, sowie Floristen, Imbiss-Stände und Schaugärten ab. Hier fanden wir auch den Stand des British Garden – Shop wieder, wo uns der Inhaber auch gleich seine Neuheiten vorführte. Wir schlugen gleich zu und werden sicherlich auch über ein paar Produkte berichten.

Eine weitere große Halle wurde in seiner Mitte von einem Stufenkegel, der über und über mit Blumen dekoriert war „geziert“. Später erkannten wir, dass das die Geburtstagstorte für das zwanzigste Jubiläum der Messe darstellen sollte. Ringsum reihten sich „Schaugärten“, die hauptsächlich aus Rollrasen bestanden. Dazwischen fand man auch die eine oder andere Pflanze, wobei einige doch sehr durstig waren und ihre Blüten bereits traurig hängen ließen. Manche Pflanzen waren sogar aus Kunststoff gefertigt. Wer sich ausruhen wollte, der fand am Messegelände kaum Bänke um sich hinzusetzen. Ab Mittag drängten sich müde Besucher dicht an dicht am Sockel der Torte – einer der wenigen Sitzgelegenheiten.

Messehalle auf der "Blühendes Österreich" 2012

Die nächste Halle beherbergte erneut eine Bühne, mehr Messestände und auch weitere Schaugärten. Ein bekanntes Gartencenter stellte das derzeitige Kräutersortiment zwar aus, darüber war jedoch in fetten Lettern zu lesen, dass die Pflanzen nicht zum Verkauf stünden. Dafür lag aber das Prospekt der Gartencenter-Kette aus. Besonders schön waren in dieser Halle die Bonsai anzusehen. Eine Menschenschlange bewegte sich andächtig an diesen Miniaturbäumen in langsamen Schritten vorbei, wie wir es das letzte Mal bei den Kronjuwelen der englischen Queen im Tower of London erlebt hatten. Die Halle teilte sich ihren Platz mit Messeständen zum Thema Pool – Ein Thema, das wenigstens noch ein wenig mit dem Thema Garten zu tun hat. Wir ließen diesen Bereich aber auch Links liegen.

Bonsai

Zwischen der vorhergehenden Halle und der Nächsten zum Thema Garten, fand man sich in einem kleinen Kunsthandwerk-Markt wieder. Der hatte nun aber wirklich nichts mehr mit dem Thema Garten zu tun. Erneut fühlte ich mich an einen Teleshopping-Kanal erinnert.

In der letzten Halle konnte man lediglich bis zu einer Absperrung gehen und von dort aus Landschaftsgärtner bei ihrer Tätigkeit beobachten. Dabei handelte es sich wohl um die Teilnehmer bei den Staatsmeisterschaften der Landschaftsgärtner. Die Ergebnisse sind aber auch hier eher Geschmackssache – Unser Geschmack wars jedenfalls nicht.

Gärtnerwettbewerb

Kostproben, Jahrmarktflair, Kinder und Tiere

Bei einigen Messeständen gab es auch Kostproben von Paradeiser-Raritäten etc. Obwohl es auch Imbiss-Stände mit käuflichen Speisen gab, schien der Hunger einiger Messebesucher doch so groß gewesen zu sein, dass sie sich gleich alle verfügbaren Häppchen einverleibten. Wie bei jeder anderen Messe konnte man auch hier sämtliche Unsitten von Messebesuchern miterleben: Im Vorbeigehen an einem Messestand sämtliche Zuckerl aus den Schalen greifen und in die Hosentaschen stopfen, alle Prospekte mitnehmen um sie am Ausgang der Messe zu entsorgen, Drängeln und Stoßen, usw.

Die Gartenmesse bekam durch den Aufbau, sowie durch das Verhalten der Besucher nach und nach eine Art Jahrmarkt-Flair. Der informative Charakter einer Messe war kaum noch spürbar. Einige Messebesucher kamen mit ihren Kindern, denen sichtbar langweilig war. Manche brachten sogar ihre Hunde mit, die eingeschüchtert durch die Menschenmassen gezogen wurden.

Pflanzenkauf auf der Gartenmesse

Die Garten-Messe »Blühendes Österreich« in Wels besteht aus einem Freigelände und mehreren Messehallen. Überall gab es Pflanzen zu kaufen und natürlich schlugen auch wir zu. Für Messebesucher wurde ein Pflanzen-Depot zur Verfügung gestellt. Das Depot stellte sich schließlich als Garderobe heraus, in der die Pflanzen in Sackerln (Plastiktüten) aufgehängt wurden – nicht gerade die beste Methode um Pflanzen aufzubewahren. Viel kaufen durfte man aber ohnehin nicht, da es keine Transportmöglichkeiten gab. Man konnte nur kaufen, was man auch bereit war, durch die Messe und schließlich zurück bis zum Parkplatz zu tragen. Die meisten Händler waren zwar bereit, die gekauften Pflanzen aufzubewahren, doch dann musste man am Ende des Messebesuchs alle Händler erneut abklappern um diese abzuholen.

Pflanzenmarkt auf der Messe "Blühendes Österreich" 2012

Wer gut zu Fuß ist, könnte auch mehrmals zum Parkplatz wandern um die erstandenen Pflanzen zum Auto zu bringen, doch da gab es ein Problem: Mit einer gewöhnlichen Eintrittskarte kommt man zwar einmal ins Messegelände, aber man kann diese nicht kurz verlassen und wieder zurück kommen. Wir erlebten einige aufgeregte Debatten am Ein- bzw. Ausgang, bei denen sich Messebesucher genau deshalb beschwerten. Ich hatte es da glücklicherweise etwas leichter, denn ich konnte mir einen Fachpresse-Ausweis für die Messe organisieren. Damit kann man auch gerne mal die Messe verlassen und jederzeit zurückkehren. Diese Möglichkeit sollte man „gewöhnlichen“ Messebesuchern auch geben!

Übrigens: Ich habe oben beschrieben, welchen Weg man zur Gartenmesse zurücklegen muss. Eben diesen Weg musste man auch in die andere Richtung gehen. Schwer beladen mit Pflanzen in Kisten und Säcken musste man sich durch die mit Menschen dicht gedrängten Gänge der Tourismus-Messe zwängen. Wir machten uns schon Sorgen um eine der erstandenen Orchideen, nach einem Rempler eines bärtigen Mannes in Lederhosen an einem der Käsestände…

Das Fazit der GartenGnome zur Messe

Gartenbegeisterte Menschen hatten einiges zu entdecken und konnten interessante Unterhaltungen mit den Geschäftsleuten führen. Gartenneulinge durften sich auch von Gartenprominenz Karl Ploberger auf die Sprünge helfen lassen. Wir GartenGnome erstanden eine Hand voll interessanter Pflanzen und Produkte.

Auf der anderen Seite leidet die Messe »Blühendes Österreich« unter der extremen Vermengung aus mehreren unterschiedlichen Messen zu einer großen Messe. Die Gartenmesse alleine ist durchaus interessant und für Besucher aus Wels und Umgebung auch sicherlich einen Besuch wert. Den langen Weg aus Wien, den wir dafür zurückgelegt haben, war sie aber bestimmt nicht wert.

Gärtner lieben Natur und Ruhe. Auf der belebten Messe konnte man aber nicht tief durchatmen, dafür ging es hier zu hektisch zu. Gärtner sind eben nicht für große Hallen mit vielen Ständen gemacht. Gärtner wollen in die Freiheit – Gärtner wollen in den Garten. Wir freuen uns daher schon wieder sehr auf Veranstaltungen im Freien, wie die Pflanzenraritätenbörse im Botanischen Garten, dieses Wochenende in Wien.

Floristik auf der Messe "Blühendes Österreich"

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