Ein Garten hat immerzu etwas mit dem Wetter, dem Standort und mit dem Verlauf der Jahreszeiten zu tun. Wer zur falschen Zeit sät, schneidet, pflanzt, erntet und stets versucht, gegen die natürlichen Verläufe der Natur zu arbeiten, der wird häufig einen Kampf gegen den Garten führen. Wer hingegen weiß, wie das phänologische Gartenjahr verläuft und wann der beste Zeitpunkt für bestimmte Arbeiten gekommen ist, kann die Natur für sich arbeiten lassen.

Das zyklische Gartenbuch

Gartenbücher sind üblicherweise nach Tätigkeiten oder nach Pflanzenarten sortiert. Eine chronologische Reihenfolge wie bei dem 2018 erschienenen Buch „Erfolgreich Gärtnern im Rhythmus der Natur” findet man allerdings eher selten. Ein erster Blick ins Inhaltsverzeichnis verrät bereits, dass dieses Buch anders ist: Vorfrühling, Erstfrühling, Vollfrühling, Frühsommer, Hochsommer, Spätsommer, Frühherbst, Vollherbst, Spätherbst und Winter.

Gleich im Vorwort geht der Autor Stephan Waska darauf ein, dass eine bloße Einteilung nach Datum oder Monat nicht zielführend ist, da sich die Jahreszeiten in verschiedenen Regionen Europas und von Jahr zu Jahr zu unterschiedlichen Zeitpunkten einstellen. Die Natur richtet sich nicht streng nach dem Kalender, sondern vielmehr nach dem aktuell vorherrschenden Klima, das von Jahr zu Jahr etwas unterschiedlich ausfallen kann.

Alle zehn Jahreszeiten-Kapitel werden wiederum in weitere drei Unterkapitel untergliedert: Ziergarten, Obstgarten und Gemüsegarten. Da hier nach zeitlichen Abläufen gegliedert wird, kann es durchaus häufig vorkommen, dass ein und die selbe Pflanze mehrmals im Buch erwähnt wird und dass gewisse Tätigkeiten sich in Variationen wiederholen.

Dies ist ein Praxisbuch, dass man sich zur Vorbereitung jeder Jahreszeit vornehmen kann. Plant man mit anderen Gartenbüchern je nach Pflanze oder Tätigkeit für ein gesamtes Jahr, nimmt man sich dieses Buch am Besten immer wieder über den Jahresverlauf hinweg vor um die jeweils aktuelle oder kommende Jahreszeit vorzubereiten. Damit ist dieses Buch ein bisschen wie ein ewiger Gartenkalender und dauerhafter Begleiter eines Gärtners zu verstehen. Ein durchaus interessanter Ansatz.

Ein Blick in den Inhalt des Buches

Auch wenn das Cover des Buches eher nach der Facharbeit eines Gymnasiasten aussieht: Im Inneren verbirgt sich ein übersichtlich und durchdacht gestaltetes Werk. Die Gliederung ist verständlich, die Navigation durch das Buch gestaltet sich einigermaßen übersichtlich und die Inhalte sind durchaus interessant und hilfreich. Garten-Neulingen wie auch Profis bringt dieses Buch die großartige Chance, den Garten und die natürlichen Abläufe darin besser zu verstehen. Neulinge erhalten überdies eine Menge nützlicher Tipps inklusive Detailskizzen.

Gleich am Cover findet man ein Jahresrad der phänologischen Jahreszeiten mit einer ungefähren Zuordnung der Monate. Das Vorwort verrät in einem kurzen Abriss, was die zehn phänologischen Jahreszeiten ausmacht und weshalb sie für Gärtner wichtiger sein sollten, als Zuordnungen nach Datum und Monat. Noch mehr Details zur jeweiligen Jahreszeit erhält man in der Einleitung zu jedem Kapitel.

Jedes Kapitel erhielt als grobe Gliederung die Unterkapitel „Ziergarten“, „Obstgarten“ und „Gemüsegarten“. Die darin behandelten Themen variieren stark nach jeweiliger Jahreszeit. Von Schnitt-Tipps, Pflanz-Hinweisen und Anmerkungen zu diversen Pflanzen über Dünge-Tricks bis hin zur Schädlingsbekämpfung findet man hier ein buntes Gemisch an Informationen. Angereichert werden die Seiten mit umfangreichen Tabellen, Fotos, Skizzen und Diagrammen.

Stephan Waska: Über den Autor

Stephan Waska schloss seine Gärtnerlehre ab und absolvierte anschließend die Höhere Bundeslehranstalt für Gartenbau in Schönbrunn (Wien, Österreich). Über 30 Jahre lang war Waska als Berater zu den Themenbereichen Landwirtschaft und Gartenbau für Unternehmen in Österreich und Deutschland tätig. Seit nunmehr 17 Jahren veröffentlichte er zahlreiche Artikel in der Fachpresse.

Der Autor des Buchs „Erfolgreich Gärtnern im Rhythmus der Natur“ lebt in Bruck an der Mur in der Steiermark (Österreich). In den vergangenen 17 Jahren sammelte Waska Niederschriften und zahlreiche Bilder. Im April dieses Jahres veröffentlichte Stephan Waska schließlich sein Werk.

Ein Dorn in unseren Augen ist, in welcher Weise sich der Autor bisher für chemische Pflanzenschutzmittel stark gemacht hat. Bei Diskussionen rund um ein mögliches Verbot des Herbizids „Glyphosat“ machte sich Stephan Waska für das Pestizid stark. Als „Experte“ vom Gartenbauverein Bruck an der Mur meinte er, dass von den derzeit am Markt erhältlichen chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln für die KonsumentInnen keine Gefahr ausgehe. Seine Aussagen gingen sogar noch weiter. So meinte er, dass heutige Pestizide sogar harmloser seien, als Geschirrspülmittel. Ihre Giftigkeit wäre laut Waska vergleichbar mit Kochsalz, Haarshampoo oder Haarfärbemittel (Quelle: ORF Steiermark). Für Tiere und Pflanzen seien diese Substanzen ungefährlich und die Pflanzenschutz-Industrie hätte hier schon lange auf umweltfreundlichere Substanzen umgestellt (Quelle: ORF Steiermark).

Kritik und Fazit von den GartenGnomen

Gleich vorweg: Als Naturgärtner haben wir im Normalfall nichts für chemische Düngung, Pestizide und tierquälerische Methoden der Schädlingsbekämpfung übrig. Der Autor zeigt im Buch, dass er durchaus viel Bewusstsein für natürliche Schädlingsbekämpfung, Düngung etc. hat, er versucht aber auch, konventionelle Ansätze mit einfließen zu lassen.

Dass hier auch von Wühlmaus-Zangenfallen, Spritzmitteln, chemischen Düngemitteln (Mineral-Volldünger, Langzeitrasendünger, etc.) die Rede ist, widerstrebt uns daher. Da hilft es wenig, wenn zumindest der Rat erfolgt, zu bienenungefährlichen Mitteln zu greifen. Man muss dem Autor aber anrechnen, dass er zumindest öfter Alternativen wie Schachtelhalmtee aufzeigt oder darauf hinweist, dass man solche Mittel nicht blind in jeder Situation anwenden sollte. Ebenfalls löblich ist, dass er zu Ersatz von Torf rät.

Einerseits freut uns die für Gärtner sehr interessante Herangehensweise, den Garten nach seinen zeitlichen Abfolgen ohne Monats-Einteilung zu behandeln. Andererseits erscheinen viele Inhalte ein wenig unfertig. Es wirkt wie ein Zettelkasten, den man ausgekippt und dessen viele Schnipsel, Abrisse und Haftnotizen man irgendwann einmal auf einer Tafel sortiert und aufgeklebt hat. Es ist ein Buch zum Blättern und Schmökern. Man findet viele interessante Tipps und Hinweise, jedoch gehen die Texte selten ins Detail. Das muss aber auch nicht sein, denn dafür gibt es schon so viele andere Bücher. „Erfolgreich Gärtnern im Rhythmus der Natur“ erhebt unserer Meinung nach gar keinen Anspruch auf Vollständigkeit und will auch kein umfassendes Gartenhandbuch sein. Das gibt es bereits zur Genüge. Der Autor will mit diesem Buch vor allem Erfahrungen aus seinem Leben als Gärtner veröffentlichen und das auf eine ganz besondere Art.

Übrigens: Schön für uns als Österreicher ist, dass die gebräuchlichsten österreichischen Namen der Pflanzen in Klammern angeführt werden. Zwar sind wir es inzwischen gewohnt, in Büchern nur die deutschen Bezeichnungen zu finden und im Normalfall kennen wir hier auch diese. Es ist aber dennoch nett, auch einmal ein Buch mit österreichischen Bezeichnungen zu finden.

Erfolgreich Gärtnern im Rhythmus der Natur
Stephan Waska
Quelle & Meyer Verlag
ISBN: 978-3-494-01740-2

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