Wer sich weder zur Schwammerlzeit im Wald mit Pilzhandbüchern und der Ungewissheit Giftpilze zu sammeln herumschlagen will, noch Pilzbestände gefährden will, dem bleibt eigentlich nur die Möglichkeit, Schwammerl (Pilze) teuer auf dem Markt einzukaufen. Einige Lieblingspilze lassen sich aber auch gut zuhause züchten. So kommt man auch leichter an Pilze, die hierzulande eigentlich nicht heimisch sind.

Einerseits ist es spannend, den eigentümlichen Gewächsen beim Wachsen zuzusehen, andererseits sollte man nicht vergessen, dass so mancher heimische Speisepilz durch das rücksichtslose Sammeln schon sehr selten geworden ist!

Auf der Arche-Noah Raritätenbörse in Wien haben wir uns dieses Jahr schlauer gemacht und Fotos von verschiedenen Pilzzuchten geschossen. Doch auch im Netz und in Büchern wird dieses Thema immer beliebter. Nun folgt ein kleiner Überblick, der helfen soll, sich zu entscheiden, ob man selbst auch mit einer eigenen Pilzzucht anfangen möchte.

Ich will Euch hier eine Übersicht, aber keine detaillierte Anleitung geben. Alle nötigen Informationen und Schritt für Schritt Anleitungen sollten ohnehin mit den Startset mitgeliefert werden und sind auch von Pilz zu Pilz verschieden.

 

Pilze auf Strohballen oder Stammholz

Selbst für Laien ist die Pilzzucht im Garten kein großes Problem. Es ist möglich, sich die sogenannte „Pilzbrut“ oder gleich ganze Pilzzucht-Sets zu kaufen. Man unterscheidet nur, auf welchem Untergrund die Pilze gezogen werden. Möglich ist dies grundsätzlich auf Holz oder auf Strohballen. Beide Methoden wurden auf der Raritätenbörse vorgestellt.

Im Vergleich brauchen Pilze auf Holz zwar lange, um dieses auch komplett zu durchziehen und Pilze auszubilden, doch dafür kann man hier öfter Schwammerl (Pilze) ernten. Stroh bringt früher Ergebnisse, jedoch ist es hier üblicherweise nach einer ernte getan und man muss von Neuem beginnen.

Schwammerl (Pilze) auf Holz züchten

Shiitake-Pilze werden zum Beispiel auf Holz gezogen, ebenso Austernseitling, Stockschwämmchen, Samtfussrübling oder Lungenseitling (dieser soll besonders Anfängern viele Zuchtfehler verzeihen). Da jede Sorte andere Gehölze bevorzugt, sollte man sich immer informieren. Holz ist aber nicht gleich Holz. Besonders geeignet soll das Stammholz von Laubbäumen sein, wie Apfel, Buche, Erle, Ahorn, Weide, Kirsche, Esche, Pappel, Birke, Eiche und Zwetschge (Pflaume).

Man nimmt einen ca. 4 Monate alten, nicht frisch geschlagenen, Holzstamm und wässert ihn ca.2 Tage lang. Wie gesagt, man muss je nach Pilzsorte das geeignete Holz aussuchen. Meist sollten solche Details im mitgelieferten Infoblatt stehen.

Ein Beispiel: Zucht von Shiitakepilzen im eigenen Garten am Holzstamm:

Der ideale Zeitpunkt ist wohl der Frühling, wenn es keine Nachtfröste mehr gibt. Sobald der Holzstamm gut gewässert wurde, stopft man die Pilzbrut fest in die zuvor gebohrten Löcher hinein, damit diese einen guten Anschluss bekommt.

Nun wird nochmals befeuchtet und anschließend verschließt man die Löcher zum Beispiel mit Klebeband oder ähnlichem. Das geschieht, um die Pilzbrut vor Infektionen zu schützen. Das geimpfte Holz muss nun für etwa 3 Monate an einem gut geschützten, schattigen und luftfeuchten Ort gelagert werden. Innerhalb dieser 3 Monate durchziehen die Mycel-Fäden des Pilzes das Holz.

Nach dieser Wartezeit kann der Holzstamm aufgestellt werden. Dann heißt es erneut warten, denn erst nach weiteren 6 Monaten erscheinen dann die lang ersehnten Shiitakepilze. Nach der ersten Pilzernte wachsen diese in der Regel noch ein- bis zweimal nach. Der Shiitakepilz ist also kein Pilz für Ungeduldige.

Wer beim ersten Zuchtversuch nicht so lange warten möchte, kann mit dem Austernpilz anfangen. Dieser soll auch Anfängern gröbere Zuchtfehler verzeihen und stark wüchsig sein. Noch eine Besonderheit des Austernpilzes: Er kann sowohl auf Holz als auch auf Stroh gezogen werden.

Die schnelle Zucht: Pilzzucht auf Stroh

Abgesehen davon, dass man viel kürzer auf die erste eigene Pilzernte warten muss, ist es oft auch einfacher einen Strohballen aufzutreiben, als einen 4 Monate alten Holzstamm einer bestimmten Holzsorte – Zumindest für absolute Neulinge. Der Strohballen sollte möglichst frisch sein, also bitte kein Jahre altes Exemplar nehmen.

Der Strohballen wird gut gewässert. Das bedeutet, dass der Ballen für mindestens 48 Stunden lange komplett in Wasser untergetaucht wird. Dieser soll richtig durchfeuchtet sein. Nur wie macht man das? Hierfür eignen sich alte Babywannen oder ein großes Regenfass.

Den feuchten Strohballen impft man nun mit der Pilzbrut. Sobald das vollbracht ist, den Strohballen ebenfalls an einen geschützten, luftfeuchten und schatting Ort aufbewahren. Dazu eignen sich Plätze unter Bäumen und Sträuchern. Sobald der Strohballen außen trocken ist, mit einer Gießkanne wieder befeuchten. Auch Erdkonktakt ist wichtig – den Strohballen also nicht auf  Beton stellen.

Man muss gar nicht lange warten, denn das Mycel braucht im Stroh nur etwa 1½ bis 2 Monate, um dieses vollständig zu durchziehen. Sollte man keine gravierenden Zuchtfehler gemacht haben, erscheinen die Austernpilze  nach etwa 3-4 Monaten. Nach der Ernte kann der restliche Strohballen zum Mulchen verwendet werden.

Wir wollens auch versuchen

Schon lange wollte ich es mit einer solchen Pilzzucht auch selbst versuchen. Bisher war die Neugier zwar groß, aber ich stellte es mir viel schwieriger vor. Seit der Raritätenbörse weiß ich aber, wie einfach es eigentlich sein kann, Pilze im eigenen Garten zu ziehen. Pilzbrut erhält man in der Regel für etwa 20 bis 80 € in Form von versiegelten Säckchen mit geimpften Sägespänen, Stroh oder Brutdübeln. Auf der Raritätenbörse gab es sogar Päckchen für 10 Euro! Der Preis hängt meist von der Pilz-Art und der Art des geimpften Materials ab. Gerade in unserem Garten müssen wir aber auch Vorsicht walten lassen, denn auch Schnecken sind auch Pilzfreunde!

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