Auf Facebook wurde uns kürzlich folgende Frage gestellt: „Liebe Gnome, ich brauche dringend Hilfe. Ich hab meinen ersten richtigen Blühbalkon mit Obst und Blumen und Gemüse und allem drum und dran. Hab‘ im Winter euren Blog auswendig gelernt, und alles gedeiht hervorragend. Und jetzt kommts: Leider haben Blattläuse den Weg zu mir in den ersten Stock gefunden, und da ich einiges gepflanzt habe, werd ich sie mit Brennnesseltee allein nicht mehr los. Liebe Gnome, wie kann ich Marienkäfer effektiv anlocken, damit die kleinen Kumpel mir da raushelfen? Habt ihr vielleicht Insidertipps?“.

Wie kann man nun also Marienkäfer in den Garten, oder auf den eigenen Balkon locken? Ich nahm diese Anfrage gleich als Anlass, einen Artikel zu diesem Thema zu verfassen und ich muss gestehen, dass sich die Recherchen hierzu schwieriger gestalteten, als ich zu Beginn annahm.

Marienkäfer und Blattläuse im GartenGnom-Garten

Bevor ich mich in das Thema vertiefe, will ich erst noch auf andere Artikel im GartenGnom-Weblog hinweisen, die sich ebenfalls mit den Themen »Marienkäfer« und »Blattläuse« befassen und somit Informationen und Lösungsansätze liefern könnten. Im Artikel »Blattläuse – Wie wird man sie mit natürlichen Mitteln los?« haben wir Maßnahmen gegen Blattlausbefall aufgeführt. Warum ihr euch keine asiatische Marienkäfer absichtlich in den Garten holen solltet, könnt ihr in diesem Artikel durchlesen: »Käfersaft: asiatische Marienkäfer im Obst«. Im Artikel »Marienkäfer gegen Tannenstammläuse – Der Naturgarten heilt sich selbst« haben wir unsere Beobachtungen zur Selbstregulierung der Verhältnisse zwischen Schädlingen und Nützlingen in unserem eigenen Garten dokumentiert.

Siebenpunkt Marienkäfer

Europäischer (einheimischer) Siebenpunkt Marienkäfer

Natürlich haben auch wir GartenGnome Blattläuse im Garten, doch bei uns dauert es glücklicherweise nie lange, bis sich auch die ersten Marienkäfer, Marienkäfer-Larven und andere Fressfeinde der Blattläuse zeigen. Das liegt zum Einen an unserem eigenen Naturgarten, zum Anderen aber auch daran, dass sich unser Garten inmitten eines Europaschutzgebietes befindet. In unserem Garten können wir den nützlichen Käfern helfen, indem wir eine Vielzahl an Pflanzen einfach wachsen und gedeihen lassen – manche Bereiche unseres Gartens dürfen somit eher frei wachsen und bieten vielen Tieren Schutz, Nahrung und einen Lebensraum.

Finden wir nun eine Pflanze, auf der sich Blattläuse niedergelassen haben, so gibt es mehrere Möglichkeiten, was wir tun können. Oftmals trifft es bei uns nämlich nicht unsere Zierpflanzen und auch nicht unser Obst oder das Gemüse. Viel lieber scheinen den Blattläusen die einen oder anderen »Unkräuter« (Wildkräuter) zu schmecken. Die beobachten wir dann und üblicherweise finden wir auf den befallenen Stängeln auch bald Marienkäfer oder deren Larven. Sollten sich dann auch Läuse auf unseren Nutzpflanzen oder Zierpflanzen zeigen, so sind die Marienkäfer nicht weit. Wenns uns dann zu lange dauert, wissen wir, wo wir die roten Käferlein finden und tragen sie kurzerhand zu den befallenen Pflanzen.

Da ein einziger Marienkäfer in seinem Leben von der Larve über sein Käfer-Dasein hinweg mehrere hundert Blattläuse vertilgen kann, sind wir die lästigen Läuse die den Pflanzen ihre Säfte absaugen auch bald wieder los.

Dunkle Variante des Zweipunkt-Marienkäfers.

Dunkle Variante des Zweipunkt-Marienkäfers.

Marienkäfer anlocken

Leider verkommen viele Gärten zu trostlosen, toten Flächen aus penibel kurz geschnittenem Rasen und gepflegten Buchsbaum-Kugeln. Wessen Garten von solchen Gärten umgeben ist, der wird es schwer haben, genügend Nützlinge wie Marienkäfer in den Garten zu locken. Ebenso kann es sich verhalten, wenn man versucht, im grauen Großstadt-Dschungel ein wenig Natur auf den Balkon zu zaubern. Nützlinge sind dann oft fern, sogenannte Schädlinge aber leider nicht und oft vermehren sich diese besonders hier hervorragend.

Gifteinsatz ist Tabu

Ganz klar sollte sein, dass Pestizide im Naturgarten nichts verloren haben. Marienkäfer reagieren zwar nicht stärker als zum Beispiel Blattläuse auf die Gifte, allerdings gibt es dennoch einen großen Unterschied. Blattläuse vermehren sich rasend schnell, wodurch sich die Population nach einem Gifteinsatz sofort erholen kann. Marienkäfer hingegen haben nur wenige Vermehrungsperioden und zusätzlich nehmen sie eine große Zahl an vergifteten Beutetieren auf, was die Gift-Konzentration extrem erhöht. Marienkäfer sind also einer viel höheren Dosis als die vergifteten Beutetiere ausgesetzt.

Marienkäfer mit Futter ködern

Marienkäfer lassen sich am einfachsten mit Futter – also zB. mit Pflanzenläusen wie Blattläusen oder Spinnmilben – ködern. Wer die nötige Fläche hat, sollte also wilde Bereiche ganz natürlich wachsen lassen. Dort dürfen dann auch Blattläuse leben.

Marienkäfer ernähren sich aber auch noch von Pollen. Besonders gerne dürften Marienkäfer Dill, FenchelKümmel, Echter Koriander, Schnittlauch und Kamille haben. Das Gute daran ist, dass man diese Kräuter dann auch selbst in der Küche verarbeiten kann. Außerdem stehen Schafgarbe, Ringelblume, Löwenzahn,  SenfBuchweizen, Kosmee, StrandfliederSteinkraut und Klatschmohn bei Marienkäfern hoch im Kurs. Wichtig ist hier allerdings, dass all diese Kräuter auch blühen dürfen!

Marienkäfer-Eier

Marienkäfer-Eier

Andere natürliche Feinde der Blattlaus

Nicht nur Marienkäfer haben Blattläuse zum Fressen gern. Auch Florfliegenlarven, Larven von Scheinfliegen (Schwebfliegen), Raubwanzen, Orhwürber usw. vertilgen Blattläuse und sogar Vögel machen sich besonders bei stärkerem Befall über die Läuse her.

Marienkäfer-Larve

Marienkäfer-Larve

Marienkäfer kaufen

Auch Marienkäfer kann man käuflich erwerben. Eine einfache Suchabfrage auf Google liefert bereits mehrere Such- und Werbeergebnisse. Beim Kauf der Marienkäferlarven sollte man darauf achten, einheimische Käfer zu erstehen.

Auch andere Arten helfen und so kann man neben Marienkäferlarven oft auch Larven von Florfliegen erwerben. Diese sind zwar nicht so auf Blattläuse spezialisiert, wie zB. Zweipunkt-Marienkäfer, aber dafür fressen sie in kurzer Zeit einen großen Teil der Plage auf. Kombiniert man nun Florfliegenlarven und Marienkäferlarven, so ergibt sich eine nachhaltige Säuberung von Blattläusen.

Wissenswertes rund um Marienkäfer

Einheimische Marienkäfer

Einheimische Marienkäfer sind nicht alleine rot mit schwarzen Tupfen, sondern können auch orange oder sogar gelblich sein. Auch die Anzahl der Punkte kann von keinem Punkt bis zu 15 Punkten oder sogar komplett schwarz gefärbten Käfern reichen. Zweipunkt-Marienkäfer können auch invers, also schwarz mit roten Punkten, gefärbt sein.

Mehr über Marienkäfer findest du in unserem Artikel: „Marienkäfer – Geliebte Helfer“.