Johan Baptista van Helmont (1580 – 1644) führte dereinst das berühmte Weiden-Experiment durch, bei dem er einen Weidenschößling unter kontrollierten Bedingungen wachsen ließ. Dabei entdeckte er, dass die Pflanze zwar an Gewicht zulegte, dass aber nur ein sehr geringer Teil der zugelegten Masse aus der Erde entnommen wurde, in der die junge Weide wuchs. Nach damaligem Wissenstand lag es zwar nahe, dass die Weide zu einem hohen Prozentsatz aus Gießwasser bestehen müsse, heute wissen wir es aber besser: Viele weitere Nährstoffe produzieren Pflanzen durch Photosynthese und absorbieren sie aus der Luft.

Trotz des scheinbar geringem Bedarfs an Nährstoffen aus dem Boden benötigen Pflanzen diese unbedingt. Je nach Pflanzenart, besteht unterschiedlich viel Nährstoffbedarf. Für viele Pflanzen wie Obstbäume etc. muss man nicht zwingend Düngen auch wenn es keineswegs schaden kann, da für sie der Nährstoffgehalt des Bodens oft ausreicht, bei vielen Kulturpflanzen im Gemüsebeet sollte man den Boden aber mit Nährstoffen anreichern.

Kunstdünger versuchen alle nach wissenschaftlichem Stand benötigten Nährstoffe zur Verfügung zu stellen, doch bekanntlich ist die Wissenschaft auch in diesem Bereich noch relativ ahnungslos. Bisher war alles was uns vom Kunstdünger geblieben ist vergiftetes Wasser und belastete Böden, sowie Pflanzenzüchtungen, die ohne unnatürlich hohe Nährstoffzufuhr nicht überleben können.

Wer gesunde Pflanzen auf gesundem Grund wachsen lassen will, der sollte auf natürliche Düngemittel zurückgreifen. Hier möchten wir nun aufzählen, wie man seinen Garten natürlich düngen kann. Es gibt mehr Öko-Alternativen als man denkt, doch auch hier sollte man wachsam sein:

Kompost und Regenwurmhumus

Kompost ist wohl der beste Dünger und jeder kann ihn leicht selbst herstellen (lassen). Grundsätzlich muss man dazu einfach nur pflanzliche Abfälle auf einen Haufen schütten und abwarten, bis die Bodenlebewesen den Rest erledigen. Wer den Prozess beschleunigen will und auch gerne den Geruch ein wenig eindämmen will, der kann einen Komposter aufstellen. Kompost herzustellen und zu nutzen ist für jeden Gärtner Pflicht, denn diese Form von Recycling schont nicht nur die Umwelt, sondern auch die Geldbörse. Beim Düngen mit dem schwarzen, krümeligen Kompost gilt „weniger ist mehr“, denn dieser enthält Nährstoffe in äußerst konzentrierten Form.

Regenwurmhumus ist eigentlich eine Sonderform des Kompost. Bei der Herstellung kommen hauptsächlich Würmer (Kompostwürmer) zum Einsatz. Das Ergebnis ist eigentlich nichts anderes als Wurmkacke – der sogenannte Regenwurmhumus.

Kompost ist wohl der beste Dünger und jeder kann ihn leicht selbst herstellen (lassen).

Malzkeim-Dünger

Dieser Dünger ist frei von tierischen Bestandteilen und unbedenklich für Mensch und Tier. Seit letztem Jahr ist Malzkeim-Dünger bei uns GartenGnomen zum ersten Mal im Einsatz. Der Dünger besteht aus Malzkeimen, Abfälle von der Bierproduktion, und Abfällen von der Zuckerrübe. Er ist geruchlos, ist sehr leicht zu dosieren und enthält sowohl sofort wirksame Nährstoffe sowie eine Langzeitwirkung von ca. 3 Monaten (Stickstoff, Phosphat und Kalium). Malzdünger soll sich besonders positiv auf die Wurzelbildung auswirken.

Dieser Dünger ist frei von tierischen Bestandteilen und unbedenklich für Mensch und Tier.

Hornspäne und Hornmehl

Hornspäne werden aus zerkleinerten Rinderklauen oder -hörnern hergestellt. Hornspäne und Hornmehl sind organische Stickstoffdünger, die bereits seit Jahrhunderten zum Einsatz kommen. Auf den Boden wirken Hornspäne ph-neutral. Jeder Gärtner muss für sich entscheiden, ob er es mit seinem Gewissen vereinbaren kann, mit Hornspänen zu düngen, denn in dieser Menge stammt der Dünger in den meisten Fällen bestimmt nicht aus ökologischer Viehwirtschaft.

Gesteinsmehle und Kalkmehle

Oft wird bestritten, dass Gesteinsmehl (auch Urgesteinsmehl genannt) ein Dünger ist, doch da das Gesteinsmehl den Mineralstoffgehalt des Bodens aufbessert sehen wir es durchaus als Dünger an. Oft werden Gesteinsmehle auch als Bodenverbesserer bezeichnet, da sie den pH Wert des Bodens regulieren und den Boden auflockern.

Es gibt Basalitgesteinsmehl, Dialit-Urgesteinsmehl, Naturgips, Magnesiumkalk und weitere Kalkmehle. Da Gesteinsmehl hauptsächlich aus Silikaten besteht, eignen sie sich ausgezeichnet zum Binden von Stickstoff  als Ammonium NH4.Das schützt den Boden vor Auswaschung. Bitte achtet auf die möglichst regionale Herkunft der Gesteinsmehle, denn es ist alles andere als Umweltfreundlich solche schweren Lasten quer über einen Kontinent zu transportieren, obwohl es so nah genügend Steinbrüche gibt. Zudem kann man bei regionaler Ware davon ausgehen, dass das Gesteinsmehl nicht mit Schadstoffen belastet ist.

Oft wird bestritten, dass Gesteinsmehl (auch Urgesteinsmehl genannt) ein Dünger ist, doch da das Gesteinsmehl den Mineralstoffgehalt des Bodens aufbessert sehen wir es durchaus als Dünger an.

Kaffee und Tee-Reste

Kaffee- und Tee-Reste sind gute Bodenverbesserer fürs Beet oder den Blumentopf. Idealerweise sammelt man den Kaffeesud in einem kleinen Kübel oder einem anderen Behältnis neben der Kaffeemaschine. Wir haben beispielsweise auch im Büro immer einen Sammelbehälter neben der Kaffeemaschine aufgestellt. So kommt eine ganze Menge Kaffeesatz zusammen. Diesen braucht man nur direkt aufs Beet oder auf die Zimmerpflanzenerde schütteln und leicht einarbeiten. Bitte achtet darauf, keine Kaffeefilter oder Teebeutel auf das Beet zu werfen, da diese nicht immer komplett verrottbar sind. Als alleinige Düngung sind Kaffeesatz und Teereste meist nicht ausreichend, sie stellen aber eine gute und für viele Menschen einfach verfügbare Ressource dar.

Guano von Seevögeln und Fledermäusen

Seit dem 19. Jahrhundert kommt Guano als Dünger zum Einsatz. Guano werden die flüssigen Exkremente von Seevögeln wie Kormoranen oder Pinguinen genannt. Auch Fledermaus-Exkremente werden Guano genannt. Alle Formen von Guano stellen wertvollen Dünger dar und dennoch müssen wir GartenGnome von der Verwendung dringend abraten! Kormorane werden beim Brüten gestört, Pinguinen wird ihr Lebensraum zerstört und Fledermäuse werden in ihren Höhlen aufgeschreckt. Leider werben viele BIO-Erden mit der Verwendung von Pinguin-Guano – Bitte lasst die Finger davon.

Fledermäuse gibt es aber auch bei uns und wer ihnen ein Heim spendieren will, der kann einen Fledermauskasten an einer geschützten Stelle aufhängen. Die Fledermäuse werden es mit Insektenvernichtung und kleinen Guano-Spenden danken. Fledermausguano erkennt man übrigens daran, dass aus den Exkrementen oft noch Flügelreste der verspeisten Insekten herausstehen.

Pflanzenjauchen

Pflanzenjauchen sind gärende Ansätze von Pflanzenmaterial in Wasser, wie zum Beispiel Brennnsesseljauche, Komposttee und Beinwelljauche. Dabei kann so mancher Pflanzensud nicht alleine als Düngemittel, sondern auch als Pflanzenschutzmittel aufgespritzt werden.

Gründüngung

Gründüngung bezeichnet das Ausbringen von Pflanzen, die zur Bodenverbesserung beitragen. Das kann man auch noch nach der Ernte machen, um dem Boden eine Auffrischung zu gönnen. Da die Gründüngung wie Lupine, Gelbsenf oder Phacelia nicht geerntet werden, können sie im Gemüsebeet bleiben. Nach dem Winter sind sie sozusagen wieder Bestandteil des Bodens geworden.

Pferdeäpfel, Kuhmist und anderer Dung

Tierdung von pflanzenfressenden Säugetieren eignet sich ausgezeichnet als Dünger, auch Elefantendung aus dem Zoo ist also ein prima Dünger. Nicht jeder hat einen Reithof oder Bauernhof in der Nähe, doch wer die Möglichkeit hat, der sollte sich guten Dung beschaffen. Dabei würden wir empfehlen, möglichst Dung von Tieren zu beziehen, die möglichst gesund sind und nicht mit Antibiotika oder anderen Medikamenten behandelt wurden. Ihr merkt schon – das ist gar nicht so leicht.

Meistens muss frischer Mist auch zuerst abliegen oder durchkompostieren, damit er nicht mehr so scharf ist und die Pflanzen schädigt. Wer keinen Zugriff auf frischen Mist hat, kann auch Kuhdung und Hühnermist in pelletierter Form im Gartencenter oder im Bauhaus kaufen. Auch hier stellt sich die Herkunftproblematik.

Auch wenn der Kot von Pflanzenfressern als Dünger gut geeignet ist, hat er auch Nachteile. Krankheitserreger und Keime können vom Kot in die Nahrung übergehen. Wenn es sich um Dung aus konventioneller Tierhaltung handelt, so können sich darin auch ausgeschiedene Antibiotika-Reste und sonstige Wirkstoffe finden, die dann ebenfalls von Pflanzen und Bodenlebewesen aufgenommen werden. Wir düngen daher nach Möglichkeit nur noch mit rein pflanzlichem Kompost und verzichten auf Düngemittel tierischer Herkunft.

Tierdung von pflanzenfressenden Säugetieren eignet sich ausgezeichnet als Dünger

Fertige Naturdünger

Wer mit seinen hauseigenen Düngern, wie Kompost und Pflanzenjauchen, nicht auskommt, kann auch fertig gemischte Biodünger kaufen. Es gibt einige organische Dünger die ruhigen Gewissens in einem Biogarten verwendet werden können. Die im Handel erhältlichen organischen Dünger / Biodünger werden aus pflanzlichen (Traubenkernmehl, Zuckerrübenresten, Kakaoschalen,) und / oder tierischen Abfallstoffen (Hornspähne, Guano, Hühner- oder Kuhmist) sowie Gesteinsmehl hergestellt. Die enthaltenen Nährstoffe sind großteils noch organisch gebunden und werden erst durch das Bodenleben nach und nach für die Pflanzen verfügbar gemacht. So ist eine langsame, aber dafür angepasste Versorgung sichergestellt. Organische Dünger fördern das Bodenleben und den Humusaufbau.

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