Das neue Gartenjahr beginnt bereits im Herbst mit dem herrichten des Gartens, dem Einbringen der Zwiebel und Knollen und dem winterfest machen diverser nicht einheimischer Pflanzen. Seit Herbst beginnt auch bei den ersten Pflanzen die Vorzucht. Die meisten Pflanzen werden aber erst in den ersten Monaten des neuen Jahres vorgezogen. Das bedeutet auch, dass der Kauf von frischem Saatgut ansteht.

Auf den Samentütchen im Gartencenter oder im Supermarkt liest man immer wieder, dass es sich um F1-Hybrid-Saatgut handelt. Das sind Begriffe, die auf die Vererbungslehre von Gregor Mendel zurückgehen. Doch was sind F1-Hybride und wollen wir solche Pflanzen in unserem Garten eigentlich anbauen? In diesem Artikel befasse ich mich mit den F1-Hybriden und erkläre die Vorteile wie auch die Nachteile dieser Pflanzen.

Hochleistungs-Saatgut: Was sind F1-Hybride?

F1-Pflanzen sollen möglichst zur gleichen Zeit keimen, gedeihen, blühen und Früchte bilden. Das macht solche Pflanzen für die industrialisierte Landwirtschaft geradezu ideal. Auch Gartenbesitzer lieben diese Pflanzen, da sie resistenter sind, große und leuchtende Blüten haben und eine reiche Ernte versprechen. Auch wenn die Früchte durchaus den ursprünglicheren Ausgangssorten gleichen, so handelt es sich bei den Pflanzen doch um Hochleistungssorten, die auch ausreichend mit Wasser und Nährstoffen versorgt werden müssen.

Ein großer Nachteil ist, dass das Erbgut von F1-Hybriden sehr instabil ist. Die Elternpflanzen, deren Eigenschaften sehr unterschiedlich sein können werden bis zu acht Generationen lang durch erzwungene Selbstbestäubung vermehrt. Schließlich sind die Pflanzen zwar nahezu reinerbig, zeigen aber auch bereits Anzeichen von Inzucht. Danach werden die beiden Sorten miteinander gekreuzt. Der erwünschte Heterosiseffekt tritt bei solchen Kreuzungen zweier Inzuchtlinien auf: Die direkten Nachkommen einer solchen Kreuzung sind in den meisten Fällen um ein Vielfaches vitaler, größer und kräftiger.

Die Instabilität zeigt sich jedoch, sobald man versucht, das Saatgut von F1-Hybriden anzubauen. Das Ergebnis sind Pflanzen mit unterschiedlichsten Eigenschaften, die jedoch nur selten ein wünschenswertes Ergebnis liefern. Es lohnt also nicht, das Saatgut von F1-Hybriden zu verwenden – natürlich sehr zum Vorteil der Saatguthersteller. Das und dass moderne Züchtungsprozesse zur Beschleunigung der Zucht auch auf fragwürdige biotechnologische Verfahren zurückgreifen, bedeutet für uns GartenGnome, dass wir von F1-Hybriden meist die Finger lassen.

Sind F1-Hybride gut oder schlecht?

Weder Hybride noch F1-Hybride sind üblicherweise schädlich oder ungesund. Hybride kommen in der Natur regelmäßig auch ohne menschliches Zutun vor und gehören zu den grundsätzlichen evolutionären Vorgängen. F1-Hybride sind bereits weniger natürlich, aber ebenso nicht gesundheitsschädlich.

Ein Vorteil ist – so man darin einen Vorteil sehen will –, dass das Saatgut völlig homogen ist und man weiß, was man von den Pflanzen und Früchten zu erwarten hat. Die Pflanzen sind robust und die Früchte sind groß und kräftig. Daher sind F1-Hybride auch in der Landwirtschaft sehr beliebt. Selbst einige BIO-Landwirte setzen auf F1-Hybrid-Saatgut.

Als einfachstes Problem von F1-Hybriden der industrialisierten Landwirtschaft kann man den fehlenden Geschmack vieler F1-Sorten nennen. Das liegt daran, dass der Geschmack nie ein kaufentscheidender Faktor bei Obst, Gemüse oder Kräutern war, sondern immer nur Resistenz, Aussehen und Haltbarkeit. Ein weiterer Grund, der gegen F1-Hybride steht ist schlichtweg der Preis, denn die viele Zuchtarbeit und Entwicklungsarbeit kostet viel Energie, Zeit und Geld, was natürlich zusammen mit der Marke des Saatguts an die Konsumenten weitergegeben wird.

Neben den höheren Einnahmen haben die Saatguthersteller noch einen weiteren großen Vorteil: Das Saatgut ist sozusagen mit geplanter Obsoleszenz ausgestattet, denn neu gewonnenes Saatgut produziert sehr abweichende Ergebnisse. Es muss also jedes Jahr aufs Neue Saatgut gekauft werden. Viele F1-Sorten werden von den ganz großen Saatgutherstellern produziert, die zugleich auch Gentech-Produzenten und Pestizid-Hersteller sind.

Wir GartenGnome wollen solche Unternehmen nicht unterstützen und sind besonders deshalb sehr achtsam beim Kauf von Saatgut. Wir stehen auf Vielfalt und ursprünglichere Sorten, was auch wieder gegen F1-Saat steht. Wir kaufen daher möglichst keine F1-Samen, sondern lieber einfache, stabile Saat, tauschen Saatgut oder bestellen Saatgut alter Sorten vom Verein ARCHE NOAH.

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