Ressourcen sollten möglichst effektiv genutzt werden und es stimmt uns jedes Mal traurig, wenn wir einen Obstbaum sehen, an dem die Früchte verfaulen, weil sie keiner erntet. Dennoch würden wir Obst und Gemüse, die in der Stadt angebaut wurden oder nahe einer Straße gewachsen sind nicht in unseren Speiseplan aufnehmen.

Durch die Abgase von Verkehr und Industrie gelangt gefährlicher Feinstaub an die Pflanzen. Feinstaub ist nicht vergleichbar, mit gewöhnlichem Hausstaub, denn er besteht zum Teil aus Schwermetallen wie Cadmium, Chrom und Blei. Diese Schadstoffe werden von den Pflanzen aufgenommen und würden beim Verzehr in unseren Nahrungskreislauf gelangen.

2012 führte die Technische Universität Berlin eine Untersuchung zum Thema Urban Farming und Belastung mit Giftstoffen durch und stellte bedenkliche Konzentrationen von Schwermetallen fest. Wir GartenGnome betrachten Urban Farming daher mit sehr kritischen Augen, denn auch wenn wir alternative Ressourcennutzung befürworten – Gemüse- und Obstanbau in der Stadt halten wir für den falschen Weg.

Feinstaub und Schadstoffe in der Stadt

Feinstaub besteht aus Teilchen, deren Durchmesser weniger als 10 Mikrometer (10 µm) beträgt. Zu den natürlichen Teilchen gehören unter anderem feiner Gesteinsabrieb (Flugsand), Pilzsporen, Pollen und feine Asche. In Städten und Industriegebieten kommen zu diesen natürlichen Komponenten aber auch Abgase, Reifenabrieb, und unzählige andere Stoffe.

Diese Schadstoffe werden durch die Luft getragen und reichern sich im Boden und somit auch in allen darin gewachsenen Pflanzen an. In Wien und Linz wurden die Grenzwerte der Feinstaubbelastung dieses Frühjahr bereits um das Doppelte überschritten.

Belastetes Obst und Gemüse

Urban Gardening und Guerilla Gardening sind Trends, die wir mit Freude beobachten. Viel Grün in der Stadt dämmt den Lärm, reinigt die Luft und senkt die Temperaturen. In grünen Stadtoasen finden zahlreiche Pflanzen und Wildtiere Zuflucht und wir Menschen fühlen uns wohler, als in grauen Betonwüsten. Es ist für uns also ein großes Anliegen, Gärten und Wildwuchs in die Städte zu bringen. Kritisch betrachten wir aber die Bewegung der City Farms, die den Lebensmittelanbau in Großstädten vorantreiben wollen, denn Obst und Gemüse vom Stadt-Acker sind meist stark belastet.

Zentren des Trends der „essbaren Stadt“ sind unter anderem New York, Paris, Berlin, Wien und Zürich. In anderen Teilen der Welt wie zum Beispiel in Kuba ist das Prinzip City-Farm nicht nur Trend, sondern eine Notwendigkeit.

In Zürich wurde sogar ein Postulat angenommen, wonach die städtischen Gärtner Nutz- statt Zierpflanzen im öffentlichen Grün anbauen sollen. Pflücken ist für alle erlaubt. Die Bevölkerung soll sich an der Pflege beteiligen. Die Züricher Stadträtin Ruth Genner meinte dazu jedoch „Die meisten Wechselflorrabatten befinden sich in unmittelbarer Nähe zu Straßen und sind nicht geeignet, um Nahrungsmittel zu produzieren − die Schadstoffbelastung ist an diesen Orten zu hoch“. Auch Axel Fischer, der Bereichsleiter für Unterhalt wies darauf hin, dass er von Nutzgemüse auf Verkehrinseln dringend abrate, da das Gemüse nicht nur belastet sei, sondern auch eine Gefährdung der Sicherheit damit verbunden ist: „Man stelle sich vor, die Leute würden Hauptstrassen überqueren, um bei einem Kreisel Radieschen zu pflücken“. (Quelle: Neue Zürcher Zeitung)

2012 führte die Technischen Universität Berlin eine Studie zur Belastung von Gemüse in der Stadt durch. Verglichen wurden Proben von 28 zufällig gewählten Orten innerhalb des Stadtgebiets von Berlin. Untersucht wurden Paradeiser (Tomaten), Grüne Bohnen, Karotten, Erdäpfel (Kartoffeln), Kohlrabi, Weißkraut, Kapuzinerkresse, Petersilie, Mangold, Basilikum, Minze und Thymian. Verglichen mit herkömmlichem Supermarktgemüse enthielt Stadtgemüse aus Eigenanbau in Berlin oft ein Vielfaches an Schwermetallen. Tomaten enthielten bis zu 5,7 Mal mehr Nickel, Basilikum mehr als 5,4 Mal mehr anorganisches Chrom und Karotten 4,2 Mal mehr Cadmium als konventionelles Supermarktgemüse. Besonders an Orten mit starkem Verkehr wurden die bereits hoch gesteckten EU-Grenzwerte für Lebensmittel überschritten. Die EU-Grenzwerte für Blei wurden sogar bei über 60 Prozent der Gemüseproben überschritten! Die Studie hielt aber auch fest, dass bereits dichte Hecken, Zäune oder ein Abstand von mindestens 10 Metern zur nächsten Straße die Schwermetallwerte verringern konnten. (Quelle: Studie zur Environmental Pollution, Zusammenfassender Artikel zur Studie)

Für uns sind diese Erkenntnisse keine Überraschung. Der Anbau von Lebensmitteln sollte in möglichst unbelasteten Regionen geschehen und nicht inmitten von Städten und Industriegebieten. Für Städter, die dennoch gerne eigene Nahrungsmittel anbauen wollen empfiehlt sich die Miete einer Anbauparzelle in einer sogenannten Community Supported Agriculture außerhalb der Stadt.

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