Ende Mai landete im Mail-Postfach des GartenGnoms ein E-Mail einer Produktionsfirma, die Teilnehmer für eine Sendung im ZDF-Wissensmagazin Terra Xpress suchte. Gesucht wurden Gartenbesitzer mit einer »Maulwurfplage«, bei denen man Mittel zur Maulwurfbekämpfung testen könne. Diesen Aufruf können wir nicht unterstützen – in unserem Garten dürfen Maulwürfe nach Herzenslust buddeln! Auch viele andere Tiere sind in unserem Garten herzlich willkommen.

Alle Lebewesen haben ihren Platz in dieser Welt und wenn der Mensch sie nicht gerade in Regionen verschleppt, wo diese Lebewesen invasiv werden können, so sollte man sie und ihren Lebensraum auch respektieren. Wir können aber auch weiter gehen und Wiedergutmachung leisten, indem wir den Tieren auch wieder Lebensraum zurückgeben. Wilde Kräuterwiesen und Sträucher braucht man nur unberührt wachsen lassen. Auch Nistkästen, Wohnkästen und Häuschen für diverse Tiere kann man im Garten aufstellen bzw. aufhängen.

Nicht alle Tiere will man im Garten haben, doch einige will man bewusst anlocken und beherbergen. Nützlinge sorgen für natürlichen Pflanzenschutz. Da viele Tiere eine ganz spezielle Behausung bevorzugen, kann man die unterschiedlichen Spezies auch gezielt fördern. Alle Behausungen kann man selbst basteln, mittlerweile gibt es viele davon aber auch in Gartencenter oder Bauhaus zu kaufen.

Hier ein paar wenige Beispiele:

Ein Heim für Säugetiere

Im Garten wuseln oft mehr Säugetiere herum, als man denkt. Unser Garten befindet sich in der Nähe eines Waldes und somit haben wir sogar Wild, Rehe und Wildschweine als Besucher. Üblicher jedoch sind kleinere Säuger wie Marder, Mäuse, Igel oder Fledermäuse.

Igel

Igel fressen nicht nur Würmer, sondern auch Schnecken und Engerlinge. Sie helfen daher, die Populationen von Schädlingen im Garten auf natürliche Art zu dezimieren. Nicht nur wenn man Igel gut leiden kann, sollte man auf chemischen Pflanzenschutz und leicht lösliche Mineraldünger verzichten. Die Umweltberatung empfiehlt Igel-Liebhabern „Blumenwiese statt englischer Rasen, Laubgehölz statt Thujenhecke“. Zum Überwintern brauchen Igel Laubhaufen oder Asthaufen. Beides kann man leicht an geschützten Plätzen aufschichten und dann über den Winter in Frieden lassen. Im Gartencenter kann man aber auch Igelheime kaufen.

Fledermäuse

Fledermäuse gehören nicht gerade zu den bekanntesten Gartenbewohnern, aber gerade sie säubern den Garten Nacht für Nacht im Schutz der Dunkelheit von Schädlingen. Jede Mausohrfledermaus vertilgt pro Jahr rund 8.000 potentielle Schädlinge (derStandard: Der Wert der Fledermäuse). Das Ultraschall der Fledermäuse ist zwar für das Menschliche Gehör nicht hörbar, aber ein paar Frequenzen der Rufe sind scheinbar doch hörbar, denn bei geöffnetem Fenster hören wir immer wieder die Fledermäuse auf ihren Jagdzügen im Garten. Kürzlich entdeckten wir ein paar Tiere hinter den Verblendungen der Fenster. In der Natur finden sich manche Fledermausarten in Höhlen zusammen, andere bevorzugen hohle Bäume und ähnliche Behausungen. Wer Fledermäusen ein Heim bieten, aber sie nicht unbedingt ins Haus einladen will, der kann eigene Fledermauskästen basteln oder kaufen.

Maulwürfe

Man mag es kaum glauben, aber auch Maulwürfe sind Freunde des Gärtners und auch im Garten der GartenGnome ein gern gesehener Gast! Maulwürfe machen sich zwar bei Liebhabern des gepflegten englischen Rasens wegen der Erdhügel (Maulwurfhügel) schnell unbeliebt, dafür vertilgen sie aber ein großes Maß an Schädlingen (Drahtwürmer, Nacktschnecken und sogar junge Wühlmäuse) und belüften zudem den Boden. Nebenbei: Durch das viele Buddelnverbraucht ein Mailwurf viel Energie – Daher fressen Maulwürfe täglich soviel, wie sie selbst wiegen!

Vögel im Garten

Vögel sind äußerst vielfältige Tiere und jede Art besitzt andere Spezialisierungen. Manche picken ihr Futter vom Boden auf, manche suchen im Gestrüpp, andere wiederum fangen Insekten im freien Flug und wieder andere haben die Fähigkeit, Insekten aus Bäumen zu holen. Kürzlich beobachteten wir einen Piepmatz, wie er die Blätter einer alten Kastanie einzeln nach den Raupen der Miniermotte absuchte.

Vögel können wir in vielerlei Hinsicht unterstützen. In unserem Garten haben wir beispielsweise Nistkästen angebraucht – Die Thematik des Vögel Fütterns ist hingegen umstritten. Wenn der Garten nicht durch Katzen gefährdet ist, dann kann man Vögeln auch ein erfrischendes Vogelbad für den Sommer anbieten. Wer einen Wintergarten oder ein Glashaus sein Eigen nennt, der sollte sich überlegen, Vögel zB. durch abschreckende Raubvogelsticker von den gefährlichen Glasscheiben fern zu halten.

Auch Reptilien brauchen ein Zuhause

Eidechsen

Eidechsen sind nicht nur putzig anzusehen, sie vertilgen auch Nacktschnecken, Insekten und Insektenlarven. Wer sie fördern will der sollte den kleinen Echsen Bruchsteinmauern bzw. Trockenmauern, Totholzhaufen und Totholzhecken und lockere Steinhaufen bieten. Da Reptilien wechselwarme Tiere sind, hilft ihnen warmer Stein dabei, rasch die nötige Körpertemperatur zu erreichen, die sie beweglich genug zur Jagd macht. Idealerweise sollten die Lebensräume der Tiere auch um ein Gewässer wie beispielsweise einen Gartenteich bereichert werden. Mehr dazu berichten wir sicherlich einmal in einem weiteren Artikel.

Schlangen

Auch Schlangen gibt es dort, wo die Natur noch in Ordnung ist. Leider haben viele Menschen Angst vor diesen edlen Geschöpfen, doch gerade in Österreich und Deutschland brauchen wir uns nicht sonderlich vor den beinlosen Reptilien zu fürchten. Schlangen vertilgen hierzulande von Insekten bis zu kleinen Nagern alle möglichen Arten von Schädlingen. Auch in unserem Garten zeigt sich von Zeit zu Zeit die eine oder andere Schlange – leider waren sie bisher jedesmal verschwunden, wenn ich meine Kamera geholt hatte.

Amphibien anlocken

Wer beispielsweise im Sommer nicht von Gelsen (Mücken) geplagt werden möchte, der tut gut daran sich Frösche und Kröten an und in den Gartenteich zu locken. Ganz nebenbei verputzen die hüpfenden Amphibien auch noch Nacktschnecken und anderes Getier. Gleich verhält es sich auch mit Molchen wie dem Teichmolch sowie mit Feuersalamandern. Auch diese Tiere verspeisen von Gelsenlarven über Egel bishin zu Nacktschnecken eine große Bandbreite an unliebsamem Getier.

Insekten, Würmer, Schnecken und Spinnen

Diese bilden die wohl umfangreichste und damit vielleicht wichtigste Gruppe der Nützlinge.

Insekten

Vielleicht sollte ich Insekten nicht mit Würmern, Spinnen oder Schnecken in eine Gruppe zwängen, aber hier soll auch nur im Kurzen erwähnt werden, wie breit das Spektrum an Nützlingen in unserem Garten sein kann. Bienen, Hummeln und andere Insekten helfen, viele Pflanzen zu bestäuben – Viele Pflanzen sind von ihnen abhängig! Glühwürmchen (Leuchtkäfer) vertilgen Nacktschnecken, Marienkäfer verputzen Blattläuse und Wespen verteidigen unser Gemüse.

Schmetterlinge sind nicht so leicht in Freund oder Feind zu trennen, denn obwohl sie als erwachsener Schmetterling schön anzusehen sind und beim bestäuben der Blüten ausgezeichnet helfen, können sie im Raupenstadium durchaus große Schädlinge sein. Bietet man den Schmetterlingen aber genügend Ausweich-Pflanzen für Eiablage und Futter, so kann man sie gut vom zu schützenden Gemüse fern halten.

Wildbienen und Hummeln, sowie Ohrwürmern, Schmetterlingen und anderen Insekten kann man im eigenen Garten sehr leicht ein Heim schaffen. Es gibt inzwischen aber auch zahlreiche Häuschen zum Aufstellen oder Aufhängen in den Gartenmärkten zu kaufen.

Würmer

Regenwürmer belüften den Boden und bereichern ihn um kostbaren Humus, ganz zu schweigen von Kompostwürmern, die in unserem Komposter eine wahre Humus-Fabrik betreiben. Es geht aber auch noch kleiner, denn besonders effektive Nützlinge sind die winzigen Nemathoden (Fadenwürmer), die ganzen Völkern von Schädlingen den Gar ausmachen können.

 Schnecken

Im Gegensatz zu den gefräßigen Nacktschnecken sind Gehäuseschnecken wie die Weinbergschnecke oder die Wiener Schnirkelschnecke sogar Feinde der Gehäuse-losen Verwandten, denn sie verspeisen gerne deren Ei-Gelege. Wenn dann doch einmal die eine oder andere Pflanze den Schnecken mit Haus zum Opfer fällt, lässt sich das so ein wenig leichter verzeihen.

Spinnen

Leider graust es viele Menschen vor Spinnentieren doch im Grunde sind diese Tiere unsere Freunde. Die Spinnenseide gibt selbst heute der Wissenschaft noch Rätsel auf, denn bei genauerer Betrachtung ist sie nicht nur bloßer Faden. Spinnen konstruieren je nach Beute ganz spezielle Netze an ausgewählten Orten. Wer ihre Netze unberührt lässt und ihre Verstecke nicht zerstört, der schützt so Schädlingsvertilger mit High-Tech-Waffen.

Nützlinge aktiv schützen

Ein echter Naturgarten sollte natürlich weder Nützling noch Schädling kennen, denn in der Natur sind alle Geschöpfe gleich wichtig. Da wir Menschen uns aber immer etwas von unserem Garten erhoffen und ganz bestimmte Wünsche hegen, sind wir nicht so unparteiisch. Wichtig ist schließlich nur, dass wir einen Naturgarten bevorzugen und dort dürfen wir auch Geschöpfe gezielt unterstützen, die uns unserem Ziel näher bringen.

Nützlinge sind anundfürsich ohnehin dort, wo auch die Schädlinge sind, denn schließlich stellen Schädlinge meist die Nahrungsquelle der Nützlinge dar. Unterstützen kann man sie, indem man sie anlockt, ihnen ein Heim bietet und sie möglichst in Frieden lässt.

Unser Dank gebührt an dieser Stelle auch den Betreibern von Hausgarten.net, die uns bereits im letzten Jahr beschenkt haben, denn kürzlich erhielten wir ein Paket mit einem Wildbienen-Häuschen sowie einem Schmetterlingshaus zur Bewerbung eines neuen Seitenbereichs zum Thema »Aktiver Insektenschutz«. Wir nahmen dies gleich als Anlass um diesen zusammenfassenden Artikel zu schreiben.