Uns ist es schon lange klar, aber wie uns besonders bei langen Diskussionen über unsere Leidenschaft zum Naturgarten auffällt, haben es viele noch nicht begriffen. So ungern es manche von uns wahr haben wollen: Wir sind nur Gast in unserem eigenen Garten.

Gärten sind rund um den Globus in vielen Ländern ein wichtiges Element der Kultur und haben teils extreme Ausprägungen erfahren. Viel zu oft geht es dabei aber um den Versuch, die Natur in Schranken zu weisen und unter Kontrolle zu bringen.

Tiere werden als allgegenwärtiger Feind betrachtet und mit allen Mitteln fern gehalten oder bekämpft. Es erschreckt mich immer wieder, wie wenige Gartenbesitzer noch fähig sind, eine Biene von einer Wespe zu unterscheiden. Marienkäfer werden geliebt, aber deren ebenfalls ungemein nützlichen Larven werden aus purer Unwissenheit getötet. Larven von Rosenkäfern werden zuhauf getötet, obwohl sie ideale Helfer bei der Herstellung von Kompost sind.

Aber auch Pflanzen sind vor Verfolgung und Vernichtung nicht gefeit. Überleben darf nur, wer den menschlichen Eigentümern gefällig ist. Besonders dem Wunsch nach dem perfekten Rasen fallen unzählige, teils seltene Pflanzen zum Opfer. Begrenzt wird dieses uniforme grüne Rechteck dann von Thujenhecken. Ein solcher Garten ist ziemlich tot und bietet kaum einem Tier einen Lebensraum.

Lediglich sogenannte Schädlinge sowie Krankheiten machen sich über diese Monokultur her und können sich dort bestens in allen Richtungen ausbreiten. Das natürliche Gleichgewicht ist ausgehebelt. Die stolzen Gartenbesitzer wundern sich, sprühen Gift und streuen Chemie. Dadurch wird es auf Dauer allerdings nur noch schlimmer.

Am Ende ähnelt der Garten Vieler eher einem Kriegsschauplatz, als einer Erholungs-Oase. Es werden Fallen gestellt, Gift gestreut und gesprüht, gerupft und ausgestochen, abgeflämmt, mit Spülmittel besprüht, gesalzen, zerhackt, gezupft und beschnitten, mit Planen abgedeckt, mit Kies beschüttet oder sogar zubetoniert. Ja – es gibt sogar Gartenbesitzer, die ihren Garten aller Natur berauben, indem sie den Boden komplett mit Beton oder künstlichem Plastikrasen versiegeln.

Wozu hast du eigentlich einen Garten?

Ist ein Garten nun Anbaugebiet oder dient zur Nutztierhaltung? Dient er sportlichen Aktivitäten oder soll er optisch einem bestimmten Idealbild entsprechen? Ist der eigene Garten eine Erweiterung des Wohnbereichs, soll er die wilde Natur nachbilden oder gar der Arterhaltung dienen? Diese Zwecke unserer Gärten lassen sich wohl endlos fortführen und miteinander – zumindest teilweise – kombinieren.

Was wir Menschen aber gerne vergessen ist, dass wir selbst nur ein Teil dieser Welt und der Natur unseres Heimatplaneten sind. Der Grund auf dem sich Haus und Garten befinden gehört uns nur in der Welt der Menschen. In Wahrheit aber gehört uns nichts davon.

Der Garten gehört den Pflanzen, den Tieren und dem Wetter. Weder sollten wir dem Irrglauben erliegen, all das aussperren zu können, noch sollten wir der Versuchung nachgeben, es zu probieren. Ein Zaun ist nicht nur Sicht- und Windschutz, er kann auch Tiere wie Igel ein- oder aussperren. Ein kurz geschorener Rasen oder eine Thujen-Hecke bietet nur sehr wenigen Lebewesen ein Zuhause. Kiesgärten können in größerem Ausmaß sogar das Klima einer Region merklich ändern.

Wer es rein praktisch sehen will: Vögel mit Nistkästen und Fütterung in den Garten zu locken kommt auf Dauer günstiger, als laufend teure Pestizide zu kaufen. Kompost anzulegen rechnet sich mehr, als teuren Kunstdünger zu streuen. Faul zu sein und die Natur einfach mal machen und wachsen zu lassen stärkt das natürliche Gleichgewicht durch lebendige Vielfalt. So gibt es viel weniger Probleme und Schäden im Garten. Es ist immer einfacher mit der Natur zu arbeiten, als gegen sie anzukämpfen.

Unser Garten bringt große Verantwortung mit sich. Dieser Verantwortung sollten wir uns bewusst werden und wir sollten uns im Klaren darüber sein, dass wir mit diesem Stück Land Gutes, aber auch Böses tun können. Wir Garten-„Besitzer“ haben es in der Hand.

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