Glyphosat ist eine Hauptkomponente bekannter Breitbandherbizide (Breitband-Unkrautvernichtungsmittel). Im Gartenfachhandel und in Baumärkten ist besonders die Marke »Roundup« präsent, aber auch unter den Namen »Weedkill« und »Dominator« ist Glyphosat inzwischen erhältlich. Wir GartenGnome verwenden keine solchen Unkrautvernichter und standen diesen Mitteln im Markt immer sehr ablehnend gegenüber.

Nun fanden wir aber, dass es an der Zeit war herauszufinden, welche Geschichte sich hinter Roundup & Co tatsächlich verbirgt. Leider sahen wir uns im Zuge unserer Recherchen in unserer Skepsis bestätigt. Es gibt keinen Baumarkt und kein GartenCenter, wo man nicht auf die Papp-Aufsteller mit Roundup trifft. Die Bedenken der Gartenbesitzer, Totalherbizide aus der Chemiefabrik anzuwenden, scheint auch in Österreich und Deutschland sehr gering zu sein. Auch in Web-Foren und sogar von Fachliteratur werden solche Mittel immer noch empfohlen, obwohl es bereits einige starke Gegenargumente gibt. In diesem Artikel wollen wir Euch an unseren Recherchen teilhaben lassen.

Unkrautfrei mit Roundup?

Einer unserer Nachbarn ist ganz vernarrt in seinen Garten, der aus einer riesigen, sehr kurz geschnittenen und einheitlich grünen Rasenfläche besteht. Andere Pflanzen, die sich im Gras nach oben recken werden sofort entfernt. Ebenso zeigt sich die gepflasterte Einfahrt makellos und ohne „störende“ Pflanzen in den Fugen der Steine. Ob hier Unkrautvernichtungsmittel Verwendung finden? Im Gras vermutlich nicht, denn wenn es sich nicht gerade um genetisch verändertes, resistentes Gras handelt, so würde ein Spritzer Glyphosat auch gleich einen Flecken Rasen abtöten. Die gepflasterte Einfahrt oder die gemulchten Stellen der Beete zwischen den Blühpflanzen am Rande des großen Rasen würden sich aber wohl für den Einsatz von Roundup eignen.

Schild mit Aufschrift: Achtung! Hier wird Unkrautvertilger gespr

Glyphosat ist eine Chemikalie, die auf die Blätter einer Pflanze aufgebracht wird, in diese eindringt und schließlich ihren Stoffwechsel hemmt. Damit das Glyphosat nicht einfach an den Blättern abperlt wird eine weitere Chemikalie bzw. ein Chemikalien-Cocktail, ein sogenanntes Netzmittel, beigefügt. Die Pflanze stirbt ab, lässt aber Wurzeln zurück, die sich mit dem Wirkstoff angereichert haben. Folgende Pflanzen nutzen nun die vorhandenen Wurzelkanäle der abgetöteten Pflanze und sterben ebenfalls ab oder werden zumindest in ihrer Entwicklung gehemmt. Da auch Bodenlebewesen durch das Totalherbizid abgetötet wurden, ist auch der Boden selbst tot. Von gesundem Humus kann bald keine Rede mehr sein. Auch die Netzmittel haben wie das Glyphosat noch weitere, oftmals unerforschte und unvorhersehbare Auswirkungen auf die Umwelt und auch auf uns selbst.

Unkrautvernichter mit Glyphosat aus der Sprühflasche versprechen, dass man „Unkraut“ einfach und schnell durch Besprühen der Blätter der betreffenden Pflanze tötet, was auch ausgezeichnet funktioniert, solange die Pflanze nicht bereits resistent ist. Es funktioniert aber nicht nur mit „Unkraut“, sondern auch mit den meisten anderen Pflanzen. Lediglich genetisch veränderte Pflanzen (oft vom selben Hersteller wie auch das Vernichtungsmittel) und einige andere Pflanzen können sich gegen die Breitband-Herbizide behaupten. Die GenTech-Pflanzen waren nötig, damit Landwirte ihre bestellten Felder mit dem Mittel besprühen können, ohne dass es Auswirkungen auf die Ernte hat. Inzwischen gibt es sogar schon Gen-Tech-Rasen, der gegen Roundup resistent ist.

Glyphosat in unseren Lebensmitteln

Roundup Ready (GM RR) Soja von Monsanto ist eine Soja-Pflanze, die mittels genetischer Modifizierung (Gentechnik, GMO) gegen das ebenfalls vom Chemie-Riesen Monsanto hergestellte Herbizid Roundup resistent gemacht wurde. Damit lässt sich das Unkrautvernichtungsmittel einfach und jederzeit über das bepflanzte Feld sprühen, ohne die Soja-Pflanzen zu gefährden. GM RR Soja wird vor allem in Nordamerika und Argentinien sowie einigen anderen Südamerikanischen Ländern angebaut. Die Sojaprodukte werden zu großen Teilen auch als Viehfutter für den europäischen Markt produziert.

Glyphosat kommt aber nicht nur in Kombination mit gentechnisch veränderten Pflanzen und nicht alleine in Amerika zum Einsatz. Auch in Europa wird der Einsatz des Herbizids immer beliebter. Im sogenannten Vorauflauf, bevor also die Nutzpflanze wächst, wird der Acker mit diesem Mittel unkrautfrei gemacht. Noch überraschter war ich aber, als ich erfuhr, dass auch zur Unkrautvernichtung direkt vor der Ernte von Getreide Glyphosat-Präparate ausgebracht werden. Der bereits abgestorbene Weizen direkt vor der Ernte (Totreife) kann durch das Gift nicht mehr abgetötet werden. Alle noch lebenden Ären nehmen das Glyphosat auf und trocknen ebenfalls ab. Danach lässt man das Feld noch ein paar Tage stehen, bis das „Unkraut“ abgestorben ist und fährt dann die besprühte Ernte ein. (Quelle: llh-hessen.de)

Roundup wurde ursprünglich als biologisch abbaubar angepriesen, musste diese Bewerbung aber zumindest in Frankreich aufgrund eines Gerichtsurteils wegen irreführender Werbung wieder entfernen (Quelle: eau-et-rivieres.asso.fr). Glyphosat wird zwar biologisch abgebaut, allerdings äußerst langsam: Studien haben gezeigt, dass zwischen 79 bis 86 % des Wirkstoffs erst nach 6 Monaten zu Kohlenstoffdioxid abgebaut wird. In der zwischenzeit verbleibt das Glyphosat zum teil auf und in den Pflanzen, im Boden oder geht ins Grundwasser über. In mehreren Studien wurde bereits nachgewiesen, dass es bereits durch geringe Dosen von Glyphosat zu Missbildungen bei Fröschen und Hühnerembryos kommen kann (Quelle: news.ORF.at). Das deutsche Bundesministerium für Bildung und Forschung führt Glyphosat weiterhin als »biologisch abbaubar und für Menschen nicht toxisch« (Quelle: biosicherheit.de).

Inzwischen geht die Diskussion um Glyphosat bzw. Roundup in die nächste Runde, denn erst im Dezember 2012 testete das Umweltbundesamt in Wien im Auftrag von Greenpeace elf österreichische Mehl- und Backwarenprodukte auf das Unkrautvernichtungsmittel oder dessen Abbauprodukte. In allen elf getesteten Produkten wurde das Umweltbundesamt fündig. Das österreichische Lebensministerium hält dagegen, dass die AGES (Agentur für Gesundheit und Ernährungsgesundheit) Glyphosat seit 2009 in keiner Getreideprobe nachweisen konnte. Die österreichische Tageszeitung derStandard fragte bei der AGES nach und erhielt als Antwort, dass dort seit 2009 sehr wohl Rückstände von Glyphosat in drei der untersuchten Proben nachgewiesen wurden. Bei allen Studien lag die Konzentration unter dem gesetzlichen Grenzwert (Quelle: derStandard.at). Dieser ist jedoch aufgrund der Unwissenheit um die Gefahren dieses Stoffes rein theoretisch gesetzt.

Da wir direkt, zB. über Soja- und Getreideprodukte, oder indirekt über den Fleischkonsum Glyphosat und als Netzmittel verwendete Chemikalien zu uns nehmen, ist es kaum verwunderlich, dass sich im menschlichen Urin ebenfalls Glyphosat bzw. dessen Abbauprodukte finden lassen.

Glyphosat für den Einsatz im Garten nicht gestattet?

Roundup und andere Glyphosat-Präparate gibt es in vielen Gartencentern, Baumärkten und Supermärkten zu kaufen. Für diverse Anwendungen wurden verschiedene Produkte wie Sprühflaschen, schnellwirksame Lösungen, Granulat und Konzentrate entwickelt. Wie es aussieht, werden die Produkte auch in großer Menge genutzt.

Garten-Zerstäuber

Im Oktober 2011 wurde im Parlament das Verbot von glyphosat-hältigen Pflanzenschutzmitteln in Österreich diskutiert. Hier ein Auszug aus der Rede von Dipl.-Ing. Dr. Wolfgang Pirklhuber (Abgeordneter zum Nationalrat; Die Grünen):

»Roundup wurde 1970 entwickelt, ist ein Breitband- oder Totalherbizid. Eine Million Tonnen an Produkten mit diesem Wirkstoff ist am Markt und wird eingesetzt. 70 verschiedene Rezepturen gibt es. Es ist gar nicht leicht, diese Rezepturen allein schon untereinander zu vergleichen und zu bewerten. Etwa 50 Prozent der Weltproduktion wird inzwischen in China produziert, weil das Patent vor ungefähr zehn Jahren ausgelaufen ist und Monsanto jetzt nicht mehr allein die Produktionskapazitäten hat.

Dieses Produkt hier, meine Damen und Herren, kann jeder im Baumarkt kaufen – hier in Wien, und es gibt nicht einmal einen Anwendungshinweis, dass man, wenn man dieses Mittel anwendet, eventuell Schutzhandschuhe verwenden muss.

Herr Bundesminister! Wenn Sie auch für diesen Teilbereich des KonsumentIn­nen­schutzes zuständig sind, dann schauen Sie sich einmal an, wie da geworben wird! Milliardengewinne werden gemacht – mit Pestiziden auf Kosten der Natur, auf Kosten der Menschen, die das verwenden! Und dann steht noch ganz süffisant drauf: „Nicht­kulturland, genehmigungspflichtig“.

Das soll man einem normalen Konsumenten einmal erklären. Erklären Sie mir heute in Ihrem Redebeitrag, was „Nichtkulturland“ ist. Ich sage nichts mehr dazu. Erklären Sie, was „Nichtkulturland“ ist, wo es nämlich vom Konsumenten nicht angewendet werden darf und genehmigungspflichtig ist. Ich schaue mir an, wie viele Konsumenten, wenn sie es auf Nichtkulturland anwenden, sich eine Genehmigung bei der Behörde holen. Hier fängt schon der Betrug an, und zwar mit einem hochgefährlichen Pestizid, das wasserlöslich ist und auch in die Umwelt gelangen kann.«

Leider wurde der Entschließungsantrag abgelehnt (Quelle: APA). Wir GartenGnome hoffen natürlich, dass diese Diskussion auch im österreichischen Parlament möglichst bald wieder aufgerollt wird.

Der Abgeordnete Dipl.-Ing. Dr. Wolfgang Pirklhuber sprach in seinem Ansuchen von der Gebrauchsanweisung von Roundup, also sah ich mir die Anleitung ebenfalls genauer an. Liest man die Gebrauchs-Anweisung von Roundup, so kann man darin auch folgende Passagen finden:

»Die Anwendung glyphosathaltiger Pflanzenschutzmittel ist verboten auf: 1. nicht versiegelten Flächen, die mit Schlacke, Splitt, Kies und ähnlichen Materialien befestigt sind (Wege, Plätze und sonstiges Nichtkulturland), von denen die Gefahr einer unmittelbaren oder mittelbaren Abschwemmung in Gewässer oder Kanalisation, Drainagen, Straßenabläufe sowie Regen und Schmutzwasserkanäle besteht, es sei denn, die zuständige Behörde schreibt mit der Genehmigung ein Anwendungsverfahren vor, mit dem sichergestellt ist, dass die Gefahr der Abschwemmung nicht besteht;

2. oder unmittelbar an Flächen, die mit Beton, Bitumen, Pflaster, Platten und ähnlichen Materialien versiegelt sind (Wege, Plätze und sonstiges Nichtkulturland), von denen die Gefahr einer unmittelbaren oder mittelbaren Abschwemmung in Gewässer oder Kanalisation, Drainagen, Straßenabläufe sowie Regen- und Schmutzwasserkanäle besteht, es sei denn, die zuständige Behörde schreibt mit der Genehmigung ein Anwendungsverfahren vor, mit dem sichergestellt ist, dass die Gefahr der Abschwemmung nicht besteht.«

Was ich sehr interessant finde ist, dass es scheinbar tatsächlich in den meisten Gärten und Parks nicht erlaubt sein dürfte, Roundup ohne behördliche Genehmigung zu verwenden. Roundup darf nicht ins Grundwasser geraten und neben Gewässern und in Wasserschutzgebieten sollte es ohnehin Tabu sein. Unser Nachbar mit dem englischen Rasen befindet sich in einem Wasserschutzgebiet direkt neben einem Bach. Somit sollte er die Finger alleine deshalb von solchen Mitteln lassen.

Lasst die Finger von Unkrautvertilgern!

Mehrere Studien belegen bereits die Gefahren des Totalherbizids wie Missbildungen bei Tieren, Begünstigung von Pflanzenkrankheiten, Abtötung von nützlichen Bodenorganismen sowie Förderung von schädlichen Bodenorganismen (Quelle: Der Spiegel). Roundup gilt dabei noch als eines der „harmloseren“ Mittel. Wir alle haben mittlerweile Glyphosat im Körper und nehmen den Wirkstoff auch weiterhin über konventionell angebaute Lebensmittel in unseren Organismus auf.

Wir GartenGnome kaufen einen großen Teil unserer Lebensmittel direkt beim Bio-Bauernhof unseres Vertrauens und versuchen auch, viele Lebensmittel im Garten anzubauen. Hier wissen wir, was in unseren Nahrungsmitteln drin ist, bzw. auch was nicht drin ist. Wir benutzen weder Kunstdünger wie Blaukorn, noch gefährliche Pestizide, Fungizide oder Herbizide. Lediglich Mittel auf Kupferbasis oder auch selbst hergestellte Pflanzenbrühen wenden wir äußerst begrenzt an. Das beste Pflanzenschutzmittel ist immer noch die Förderung von Nützlingen, damit sich der Garten selbst heilen kann.

Das erreicht man aber nur, wenn man Vielfalt zulässt. Im GartenGnom-Garten gibt es eigentlich kein Unkraut, denn wir wissen, dass jede Pflanze eine Funktion hat und wichtig ist. Natürlich gibt es invasive Pflanzen, die nicht in das regionale Ökosystem gehören und die wir zum Beispiel mit schlechtem Saatgut oder billigem Vogelfutter einschleppen. Ambrosia (Ragweed) ist eine solche Pflanze. Solche Pflanzen entfernen wir dann auch, verwenden dazu jedoch keine chemischen Hilfsmittel. Andere Pflanzen wie Giersch lassen sich auch ernten und in der Küche verwendet werden. Brennnesseln kann man nicht nur in der Küche verarbeiten, man kann auch einen ausgezeichneten Dünger (Brennnesseljauche) daraus herstellen.

Lasst also die Finger von Glyphosat und denkt an eure Gesundheit sowie die Gesundheit dieser Erde!

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